«Wie spielt man Frieden?» Ein Tolstoi-Impuls zu Beginn des halbstündigen Friedensgebets in Zuzgen. Angeregt wurde das Gebet in Zusammenarbeit mit der Aarauer Fachstelle Diakonie der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau und soll künftig öfters stattfinden. | © Roger Wehrli

Projekt 08/16 belebt Diakonie in den Gemeinden

Andreas C. Müller, 17.12.18
  • Während 8 Wochen jeweils 16 Stunden: Die Fachstelle Diakonie der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau will mit dem Projekt 08/16 diakonisches Engagement in den Kirchgemeinden stärken.
  • Gestartet ist das Projekt im Fricktaler Pastoralraum Möhlinbach. Initiiert wurden dort ein Friedensgebet sowie ein Austausch unter allen Freiwilligen, die sich im Besuchsdienst engagieren.
  • Weitere sechs Pastoralräume haben bereits Interesse angemeldet.

 

Ein Dienstagabend im November in Zuzgen: Etwa 20 Personen treffen sich zum Friedensgebet mit Kurt Adler, dem Leiter der Fachstelle Diakonie der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, und Bettina Bischof, der Diakonieverantwortlichen im Pastoralraum Möhlinbach, zu dem Zuzgen gehört. Es werden Fürbitten vorgetragen, es werden Kerzen angezündet, es wird gebetet. Und eine kleine Geschichte zum Schluss schenkt Hoffnung: Gegen vier Millionen Schneeflocken mag ein Fichtenast tragen, bis eine Flocke – nicht mehr als ein Nichts – zum Bruch des Astes führt. Und so fehlt vielleicht nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden in der Welt.

«Ich bin traurig darüber, was in der Welt passiert»

Bei denjenigen, die in der Kirche sitzen, kommt das Friedensgebet gut an. Dass den Menschen die Weltsituation Sorge bereitet, ist spürbar. «Ich bin traurig darüber, was in der Welt passiert, erklärt Marie-Louise Mösch. «Dass die Mächtigen so unverantwortlich handeln», macht sie wütend.

Das Friedensgebet in Zuzgen entstand im Rahmen des Projekts 08/16 der Fachstelle für Diakonie der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau. 16 Stunden während 8 Wochen verbringen Kurt Adler-Sacher und seine Mitarbeiterin Olivia Conrad vor Ort in einem Pastoralraum. Es soll nichts von Aarau aus entwickelt werden. Vielmehr soll gemeinsam mit den Diakonieverantwortlichen vor Ort geschaut werden, wo die Pfarreien im Bereich Diakonie stehen, was sie wollen und brauchen.

Projekt ist bis Ende Dezember 2019 bereits ausgebucht

Seit Ende Oktober arbeitet die Fachstelle Diakonie mit dem Pastoralraum Möhlinbach im Fricktal zusammen. Dieser umfasst die Pfarreien Möhlin, Wegenstetten, Zeiningen und Zuzgen. Weitere sechs Pastoralräume haben bereits ihr Interesse angemeldet. «Somit ist das Projekt bis Ende Dezember des kommenden Jahres schon ausgebucht, freut sich Kurt Adler-Sacher. «Wir wollen Diakonie ins Gespräch bringen und mit den Verantwortlichen vor Ort Strategien entwickeln, um Diakonie besser zu verankern», erklärt Kurt Adler-Sacher.

Im Pastoralraum Möhlinbach kam es im Rahmen des Projekts 08/16 zu einem Austausch mit allen im Besuchsdienst Engagierten. Alles in allem 15 Personen. Kurt Adler-Sacher erklärt: «Jede Pfarrei hat irgendeine Form von Besuchsdienst, das heisst: Freiwillige besuchen Pfarreiangehörige im Spital oder machen bei älteren Menschen zum Geburtstag Hausbesuche». Das Treffen der Freiwilligen war ein Erfolg: «Da waren Menschen, die machen das schon fast 30 Jahre. Sie konnten sich untereinander austauschen, von ihren Erfahrungen berichten und Wünsche anbringen», erinnert sich Olivia Conrad. Es habe sich beispielsweise gezeigt, dass ein Interesse an Weiterbildung besteht und der Besuch bei Müttern von Neugeborenen, wie er in einer Pfarrei bereits praktiziert wird, auch auf andere Orte übertragen werden könnte. «Mittlerweile werden frischgebackene Mütter von verschiedenen Organisationen, Krankenkassen und Firmen besucht, nur nicht von den Kirchen», weiss Kurt Adler-Sacher.

«Kirche hat Diakonie ausgelagert»

Auch Bettina Bischof, Diakonieverantwortliche des Pastoralraums Möhlinbach, ist es ein Anliegen, dass Diakonie vor Ort wieder mehr gepflegt wird. «Das Thema haben wir in den letzten Jahren an andere Institutionen ausgelagert.» Es sei begrüssenswert, dass die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau im vergangenen Jahr eine neue Fachstelle für Diakonie ins Leben gerufen hat. «Mit dieser zusammen konnten wir schauen, was möglich ist. Wir haben unseren Besuchsgruppen neue Impulse geben können und mit dem Friedensgebet den ersten Schritt für mehrere kleinere Feiern an verschiedenen Orten im Pastoralraum gemacht.»

 

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Bettina Bischof, Diakonieverantwortliche im Pastoralraum Möhlinbach, und Kurt Adler, Leiter Fachstelle Diakonie der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, sichtlich zufrieden beim Umtrunk nach dem Friedensgebet in Zuzgen. | © Roger Wehrli
Bettina Bischof und Kurt Adler
Dass den Menschen die Weltsituation Sorge bereitet, ist am Gebet für den Frieden in Zuzgen spürbar. | © Roger Wehrli
Betroffenheit zum Ausdruck bringen
«Mit Licht wird es wärmer und wir können eine friedliche Welt erleben»: Kurt Adler und Bettina Bischof lassen die Teilnehmenden am Friedensgebet Kerzen entzünden, die hernach mit nach Hause genommen werden können - als Zeichen der Hoffnung. | © Roger Wehrli
Kerzenlicht als Hoffnung
«Zu unserer Aufgabe gehört es auch, zu sensibilisieren», meint Olivia Conrad und macht ein Beispiel: «In Leuggern wird dereinst die Abschaltung des Kernkraftwerks Leibstadt zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Da kann man sich als Kirche schon jetzt fragen, wie man darauf reagieren will.» | © Andreas C. Müller
Olivia Conrad
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