Die Aargauer Sozial- und Gesundheitsdirektorin Franziska Roth mit den diesjährigen Hauptträgern des Sozialpreises der Aargauer Landeskirchen: Odo Camponovo von «treff.punkt» und Sonja Neuenschwander von Spiis&Gwand». Im Rahmen einer Neuausrichtung des Sozialpreises wurden erstmals ausschliesslich ehrenamtliche Projekte prämiert. | © Andreas C. Müller

«Spiis&Gwand» und «treff.punkt» gewinnen Sozialpreis

Andreas C. Müller, 24.10.18
  • Seit 2004 vergeben die Aargauer Landeskirchen alle zwei bis drei Jahre einen Sozialpreis. Zum ersten Mal wurden ausschliesslich ehrenamtliche Projekte berücksichtigt.
  • Mit «Spiis&Gwand» sowie dem Verein «treff.punkt» wurden Projekte geehrt, die sich für die Integration von Flüchtlingen und die Unterstützung von Menschen in finanziellen Notlagen engagieren.

 

Total 26 Bewerbungen für den mit gesamthaft 20 000 Franken dotierten Sozialpreis der Aargauer Landeskirchen seien eingegangen, erklärte Hanspeter Leimgruber am Freitagabend, 19. Oktober, im Aargauer Naturama. Der Banker ist als Vertreter der Wirtschaft Mitglied im Sozialrat der Aargauer Landeskirchen (siehe auch rechts). In die engere Wahl geschafft hätten es schliesslich 15 Projekte. Bei diesen habe man geprüft, inwieweit sie innovativ, integrativ und sympathisch seien und inwieweit sie den Solidaritätsgedanken verinnerlicht hätten. «Eigentlich hätten alle 15 Bewerbungen eine Auszeichnung verdient», so Hanspeter Leimgruber. Man habe sich dann aber entschieden, fünf Projekte zu prämieren – und von diesen zwei besonders hervorzuheben.

«Spiis&Gwand»: Preisgeld für Spielgruppe

Mit je 7 000 Franken bedacht wurden «Spiis&Gwand» aus Oftringen und sowie der Wettinger Verein «treff.punkt». «Spiis&Gwand» ist ein Projekt der Reformierten Kirche Oftringen. Eine «riesige Auszeichnung für 13 Jahre Arbeit» sei das, freute sich Sonja Neuenschwander, welche den Preis stellvertretend für die gesamthaft 30 Freiwilligen entgegennehmen durfte, die sich um die Abgabe von frischen Lebensmitteln an Bedürftige kümmern, einen Secondhand-Kleiderladen mit Kaffeeecke und Kinderbetreuung führen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen beraten und begleiten. Allein 50 Taschen mit Lebensmitteln werden monatlich an ausgewählte Zielpersonen verteilt.

Das Geld aus dem Sozialpreis soll zur Deckung von Unkosten dienen, aber auch in neue Projekte fliessen, stellte Sonja Neuenschwander am Rande der Preisvergabe gegenüber Horizonte in Aussicht. Angedacht seien Unterstützung bei der Wohnungssuche, eine Spielgruppe für Kinder von Flüchtlingsfamilien sowie Coiffeurdienstleistungen.

«treff.punkt»: Rascher und flexibler reagiert als andere  

Ebenfalls 7 000 Franken erhielt der Verein «treff.punkt» aus Wettingen, der Flüchtlinge und Asylsuchende bei der Integration unterstützt. Der Verein organisiert in erster Linie niederschwellige Sprachkurse und Treffmöglichkeiten, profilierte sich dann mit spezifischer Unterstützung bei der Stellen- und Lehrstellensuche für Flüchtlinge sowie mit Nachhilfekursen in Mathematik.

Er habe fast ein schlechtes Gewissen, dass man diesen Preis bekomme, weil es ja so viele andere Initiativen gebe, die sich genauso für Flüchtlinge einsetzten, meinte Odo Camponovo, als er für die gut 80 freiwillig Engagierten den Preis entgegennahm. Dass das Engagement des Vereins «treff.punkt» gleichwohl bei der Jury derart Anklang fand, führte Odo Camponovo gegenüber Horizonte auf den Umstand zurück, dass der Verein sehr rasch und flexibel auf neue Bedürfnisse habe eingehen können. Konkrete meinte er in diesem Zusammenhang die Unterstützung bei der Stellen- und Lehrstellensuche durch pensionierte Berufsberater sowie auch das Angebot von Mathematiknachhilfe, als festgestellt wurde, dass es in dieser Disziplin bei vielen Flüchtlingen hapert.

Unterstützt wird der Verein «treff.punkt» von der Kirchgemeinde Wettingen sowie auch vom Netzwerk Asyl Aargau. Vom Preisgeld, so Odo Camponovo, sollten die Freiwilligen zu Weihnachten eine Anerkennung für ihre Arbeit erhalten. Der grösste Teil des finanziellen Zustupfs aus dem Wettbewerb solle zur Deckung der Fahrtkosten von Teilnehmenden der verschiedenen Angebote eingesetzt werden.

Ehrenpreise für «Hope», Jugendrotkreuz und «pro pallium»

Mit je 2 000 Franken bedacht wurden «Hope» aus Baden, das Projekt UMA des Jugendrotkreuzes im Aargau sowie der Verein «pro pallium» – eine Palliativstiftung für Kinder und junge Erwachsene. Die Institution «Hope», die vor allem mit der Beherbergung von Obdachlosen regionale Bekanntheit erlangte, wurde für ihre individuell abgestimmte Hilfe in der Wohnungssuche geehrt, das Jungendrotkreuz für die in Suhr und Menziken regelmässig durchgeführten Inputabende, die unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) darin unterstützen sollen, sich in unserer Gesellschaft schneller einzuleben und zugehörig zu fühlen.

In ihrer Laudatio auf die Freiwilligenarbeit strich Ines Walter-Grimm, Leiterin von Benevol Aargau, die Bedeutung der Freiwilligenarbeit für die Gesellschaft heraus. «700 Millionen Stunden freiwillige Arbeit werden jährlich in der Schweiz geleistet», so Ines Walter-Grimm. Das seien fast genau so viele Stunden, wie bezahlt im Gesundheits- und Sozialbereich anfielen. Und weiter: «Die Schweiz ist Vize-Europameister der Freiwilligenarbeit – hinter Holland.» Im Aargau sei zudem die Förderung der Freiwilligenarbeit im Sozialgesetz verankert.

«Ehrenamtliche sind glücklicher und gesünder»

«Der Einfluss von Freiwilligenarbeit hat erwiesenermassen einen positiven Einfluss auf die Work-Life-Balance und die Gesundheit», betonte Ines Walter-Grimm weiter und meinte: Freiwilligenarbeit sei ein «Win hoch drei», weil sowohl die Nutzniesser der Freiwilligenarbeit, die Freiwilligen selber, aber auch die gesamte Gesellschaft davon profitiere. Schade sei nur, dass tendenziell immer weniger Menschen Freiwilligenarbeit leisteten.

Als Ehrengast überbrachte Sozial- und Gesundheitsdirektorin Franziska Roth Grussworte der Aargauer Regierung. «Das ist für mich eine gute Gelegenheit, allen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz herzlich zu danken», erklärte die SVP-Regierungsrätin. Soziales Engagement sei unbezahlbar und für die Gesellschaft von grosser Bedeutung. «Ohne diesen Einsatz wäre die Gesellschaft arm dran», meinte Franziska Roth.

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Hielt die Laudatio zur Preisverleihung: Ines Walter-Grimm, Leiterin von Benevol Aargau. | © Andreas C. Müller
Ines Walter-Grimm
Fast ein schlechtes Gewissen, den Sozialpreis erhalten zu halten: Odo Camponovo (rechts).
Odo Camponovo
Eigentlich hätten 15 Bewerbungen eine Auszeichnung verdient», meinte Hanspeter Leimgruber vom Sozialrat. | © Andreas C. Müller
Hanspeter Leimgruber
Luc Humbel, Präsident der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, mit Sozialpreisträgerin Sonja Neuenschwander. | © Andreas C. Müller
Luc Humbel und Sonja Neuenschwander
«Ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen ist unsere Gesellschaft arm dran», meinte Sozial- und Gesundheitsdirektorin Franziska Roth in ihrer Grussbotschaft. | © Andreas C. Müller
Franziska Roth

Der Sozialpreis der Aargauer Landeskirchen

Margrith Bühler

Margrith Bühler, Präsidentin des Sozialrats der Aargauer Landeskirchen. | © Andreas C. Müller

Seit 2004 vergeben die Aargauer Landeskirchen alle zwei bis drei Jahre einen Sozialpreis. Entstanden ist dieser ursprünglich aus der gemeinsamen Absicht, konfessionsübergreifend das diakonische Engagement zu verstärken. In diesem Zusammenhang wurde im Jahre 2000 zunächst der Sozialrat gegründet.

Der Sozialrat  setzt sich zusammen aus Mitgliedern der drei Aargauer Landeskirchen (Römisch-Katholische Kirche, Reformierte Kirche und Christkatholische Landeskirche), aus Angestellten der Hilfswerke Caritas Aargau und HEKS Aargau/Solothurn sowie aus Vertretern von Pro Infirmis und der Wirtschaft. Der Sozialrat wird finanziell durch die Aargauer Landeskirchen getragen und bezieht Stellung rund um soziale Fragen der Aargauer Politik. Mit dem Sozialpreises will der Sozialrat Wertschätzung für Engagement gegenüber sozial Schwachen zum Ausdruck bringen.

Standen die früheren Sozialpreise hauptsächlich unter dem Motto «Mensch und Arbeit», so geht es dieses Jahr erstmals um die «Anerkennung für soziales Engagement». Man habe sich nach dem letzten Mal bewusst Zeit gelassen, um das Projekt zu evaluieren und neu auszurichten, erklärt Margrit Bühler, Präsidentin des Sozialrats.

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