Die Plenarversammlungen des «synodalen Weges» sollen 2020 und 2021 im Frankfurter Kaiserdom stattfinden. | © Pixabay/Hans, Pixabay License

Deutschland: Zurechtweisung aus Rom

kna/kath.ch, 16.9.19
  • Beim Reformweg der katholischen Kirche in Deutschland treten römische Stellen auf die Bremse. Zum zweiten Mal in gut zwei Monaten haben die deutschen Bischöfe hierzu Post aus dem Vatikan bekommen.
  • Kardinal Reinhard Marx hat Kritik aus dem Vatikan am kirchlichen Reformprozess in Deutschland zurückgewiesen. Gleichzeitig will die Kirche den Weg der Erneuerung weiter gehen.

 

Es wäre hilfreich gewesen, wenn die römische Seite vor der «Versendung von Schriftstücken» das Gespräch gesucht hätte, heisst es in einem Antwortschreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an den zuständigen römischen Kurienkardinal Marc Ouellet. Darüber berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» in ihrer Samstagsausgabe.

Entscheide allein auf weltkirchlicher Ebene

In einem Brief mit Datum vom 4. September hatte der Leiter der römischen Bischofskongregation die deutschen Bischöfe ermahnt, sich keine Entscheidungskompetenzen für Fragen anzumassen, die allein auf weltkirchlicher Ebene entschieden werden könnten.

In der Antwort von Reinhard Marx heisst es laut FAZ: «Wir hoffen, dass Ergebnisse einer Meinungsbildung in unserem Land auch für die Weltkirche und für andere Bischofskonferenzen im Einzelfall hilfreich sind. Jedenfalls kann ich nicht erkennen, dass und wieso Fragen, zu denen das Lehramt Festlegungen getroffen hat, jeder Debatte entzogen werden sollen, wie Ihre Schreiben suggerieren.»

«Schwer vereinbar mit dem Kirchenrecht»

Reinhard Marx hatte zusammen mit dem Schreiben Ouellets ein Gutachten des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte erhalten. Darin wird das Reformprojekt «synodaler Weg» als schwer vereinbar mit dem Kirchenrecht beurteilt. Dieses Projekt hatten die Deutsche Bischofskonferenz und der Laien-Dachverband ZdK im Frühjahr beschlossen, um im Zuge des Missbrauchsskandals verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Reinhard Marx verwahrt sich in dem Schreiben dem Bericht zufolge gegen den Vorwurf, die Bischöfe veranstalteten de facto eine Synode, ohne diese so zu nennen. Die Bischöfe hätten für die Beratungen bewusst keine Form gewählt, die vom Kirchenrecht erfasst sei, so der Münchner Erzbischof an den römischen Kardinal: «Sie wissen das aus unseren Protokollen.» Der «synodale Weg» sei vielmehr ein Prozess eigener Art, und daher sollten die Satzungen auch nicht durch die Brille kirchenrechtlich verfasster Instrumente gelesen werden.

Papst entscheidet über weitere Schritte

Zur römischen Kritik an den Abstimmungsregeln des «synodalen Wegs» bemerkte Marx, diese beziehe sich auf einen Satzungsentwurf, der mittlerweile überholt sei. Ohnehin, so Marx weiter, könne kein Beschluss einen Bischof rechtlich binden. «Es mag Beschlussfassungen geben, die sich an die Bischofskonferenz oder an die Bischöfe wenden, die dann über den angemessenen Weg entscheiden, wie mit diesen Beschlüssen umzugehen ist.» Handele es sich um weltkirchliche Fragen, würden diese dem Papst zu weiteren Schritten nach dessen Ermessen übermittelt.

Trotz Kritik aus Rom will die katholische Kirche in Deutschland ihren Weg innerkirchlicher Reformen wie geplant fortsetzen. Nach einem zweitägigen Treffen führender Vertreter der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) in Fulda erinnerte Kardinal Reinhard Marx daran, dass die Kirche zu allen Menschen gesandt sei

Ziel: Vertrauen zurückgewinnen

«Die Kirche ist nicht für sich selber da», so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte, es gehe darum, Vertrauen wiederzugewinnen, «um glaubwürdig von unserem Glauben zu sprechen». Wie Bischofskonferenz und Katholiken-Komitee mitteilten, haben die Teilnehmer der Konferenz in Fulda einen Brief an Papst Franziskus verfasst. Man sei entschlossen, den «synodalen Weg» als einen «geistlichen Prozess» zu gestalten. Dabei sei «sowohl die Einheit der ganzen Kirche als auch die Situation vor Ort im Blick», heisst es im Brief.

Nach der Fuldaer Veranstaltung mit rund 45 Teilnehmern wurden vier Arbeitspapiere veröffentlicht: Darin geht es um die Themen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. In Fulda diskutiert, aber nicht veröffentlicht wurde die Satzung für den «synodalen Weg». Dieses Papier soll die Grundlage für die Beratungen während der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz vom 23. bis 26. September ebenfalls in Fulda sein und muss auch noch vom ZdK besprochen werden. Beide Gremien müssen der Vorgehensweise zustimmen, damit der auf zwei Jahre angelegte «synodale Weg» planmässig im Dezember beginnen kann.

 

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