Seit Anfang Februar ist Pater Uche Godwin Iheke in Bremgarten als Priester tätig. Zuvor war der Missionspriester elf Jahre Seelsorger bei der US-Armee und hat auch Einsätze in den Kriegsgebieten Kuwait und Irak erlebt. Im Porträtgespräch wird deutlich, dass solche Einsätze nicht einfach sind. | © Werner Rolli

«There are no atheists in a foxhole»

Anne Burgmer, 13.3.19
  • In unregelmässigen Abständen porträtiert Horizonte Priester und Diakone im Aargau. In dieser Folge den Missionspriester Uche Godwin Iheke, der im Pastoralraum Bremgarten-Reusstal ganz frisch seinen Dienst angetreten hat.
  • Der US-Bürger mit afrikanischen Wurzeln war Seelsorger in der US-Army im Irak. Für Horizonte erinnert sich Uche Godwin Iheke und sagt: «Im Angesicht des Todes gibt es niemanden, der nicht doch an eine höhere Macht glaubt.»

 

Zweimal ringt Uche Iheke im Gespräch um Worte. Zunächst, als es um die Frage nach den Unterschieden zwischen Kanada und der Schweiz geht, dann, als er von seinen Einsätzen als Armee-Seelsorger in den Kriegsgebieten in Kuwait und Irak erzählen will. In beiden Momenten verrät der 47-Jährige viel über das, was ihn antreibt: ein offenes Herz für die Menschen.

Für die Schule zum Katholizismus konvertiert

«Natürlich hatte ich 1999 bestimmte Vorstellungen, als mich mein Ordensoberer von Nigeria nach Kanada schickte. Schnee zum Beispiel, das kannte ich nicht. Die Kulturen in verschiedenen Ländern unterscheiden sich. Doch letztlich geht es um die Menschen», sagt Uche Iheke. Ihnen will der Missionspriester dienen: «Ich will am Reich Gottes bauen. Und das kann ich nicht alleine, sondern nur mit den Menschen gemeinsam». 1971 wurde Uche Godwin Iheke in Nigeria geboren und wuchs als Ältestes von vier Kindern auf. Seine Eltern sind Lehrer. «Als es dann darum ging, welche Schule ich besuchen soll, wurde ein nahe gelegenes Internat empfohlen. Doch für diese Schule musste man katholisch sein, da die Schüler von dort oft in die Ausbildung zum Priester gingen. Ich bin evangelisch getauft und konvertierte. Ich hätte nach der Schule wieder evangelisch werden können. Doch der Schulleiter überzeugte mich und ich blieb katholisch», erinnert sich Uche Iheke.

Deal mit kanadischen Jugendlichen

Mit 17, im Prinzip unfassbar früh, trat Uche Iheke in den Orden der Söhne Mariens, Mutter der Barmherzigkeit (SMMM nach dem englischen Ordensnamen), einen Missionsorden ein. Doch erst nach vier Jahren Ordensleben entschied er sich 1992 zum Theologiestudium. Seine Priesterweihe empfing er 1998, ein Jahr, bevor er in Kanada Schnee sehen und sich mutig auf Skier stellen würde. «Ich machte Jungendarbeit. Die Jugendlichen und ich hatten eine Tauschvereinbarung: ‚Ich gehe mit euch mit zu dem, was euch wichtig ist. Skifahren und Schlittschuhlaufen. Das könnte gefährlich werden für mich. Ihr besucht mich dafür mal bei meiner Aufgabe‘», beschreibt Uche Iheke den Deal mit den kanadischen Jugendlichen und lacht bei der Erinnerung daran.

Von Land zu Land geschickt

Wohin einer der rund 150 Missionspriester der SMMM-Kongregation geschickt wird, hängt davon ab, welche Diözesen weltweit Bedarf nach Priestern haben. Die Leitung der Diözese frage beim Ordensoberen an. Der prüfe, welchen seiner Priester er für ein Land für geeignet hält. Für einige Jahre bleibt der Missionar dann im Land – wie lange, das hängt auch mit der jeweiligen nationalen Gesetzgebung zusammen. Nach Kanada war Uche Iheke von 2003 bis 2007 in Deutschland, danach für elf Jahre als Militärseelsorger in den USA im Einsatz; er hat die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. «Mein Ordensoberer hatte mich schon vor einigen Jahren gebeten in die Schweiz zu gehen, doch im Gespräch konnte ich ihm deutlich machen, dass meine Aufgabe als Seelsorger in der US-Armee noch nicht beendet ist», erzählt Uche Iheke.

Vor dem Einsatz versammeln sich die Soldaten um den Priester

Die Frage nach seiner Arbeit im Kriegsgebiet lässt Uche Iheke minutenlang verstummen; ab und zu sagt er leise „oh my god“. Als er sich wieder gefasst hat, sagt er: «There are no atheists in a foxhole». Das heisst so viel wie: Wenn es hart auf hart geht, versammeln sich die Soldaten kurz vor dem Einsatz um den Priester; es gebe keinen, der im Angesicht des Todes nicht doch an eine höhere Macht glaube. «Das Unerträglichste war das Warten auf ihre Rückkehr. Ich habe jedes Mal Glück gehabt und alle kamen von den Einsätzen lebend wieder», sagt der Priester mit nachdenklicher Stimme. Ob er in solchen Momenten an Gott gezweifelt habe? «Nein, an Gott nicht. Wenn etwas Schlimmes – zum Beispiel der Selbstmord eines sehr jungen Soldaten – geschehen ist, habe ich vor allem mich selber gefragt, ob ich etwas übersehen habe», antwortet Uche Iheke.

Wunsch nach Feedback

Uche Iheke weiss, dass er in der Schweiz und in Bremgarten erst einmal ankommen muss: In einer ganz anderen Umgebung, einer anderen Kultur, einer anderen Aufgabe, einer ganz anderen Altersverteilung der Kirchenmitglieder und mit dem dualen System in einer grundsätzlich anderen kirchlichen Struktur. «Mir ist wichtig, dass ich die Menschen kennenlerne und sie mich. Denn für sie bin ich da und um gemeinsam mit ihnen am Reich Gottes zu bauen», sagt der Priester und ergänzt: «Ich wünsche mir, dass die Menschen mir sagen, wenn ich etwas anders oder besser machen kann. Fair gegebenes Feedback ist wertvoll. Ich bemühe mich zum Beispiel deutlich zu sprechen, doch mein Deutsch kann noch besser werden». Uche Iheke lacht, als er nach einem Hobby gefragt wird: «Ich liebe das Abenteuer». Eine wertvolle Voraussetzung für einen Missionspriester, der von Land zu Land geschickt wird.

 

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