Katholisch in Regenbogenfarben - AK Regenbogenpastoral - so bunt das Thema ist, die Haltung der Kirche ist schwarz weiss: Seelsorger für LSBTI-Menschen ja, Missio nein. | © Flyerbild AK Regenbogenpastoral

Update – Katholisch in Regenbogenfarben

Glaubenskongregation übt Druck aus

Anne Burgmer, 19.6.17

Mitte Mai 2017 wurde das Bistum Basel für die Einrichtung eines Arbeitskreises Regenbogenpastoral allenthalben gelobt. Nun, Mitte Juni, steht das Bistum in der Kritik, weil es einem Theologen, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, die Missio verweigert.

«Der von Bischof Felix Gmür 2016 ins Leben gerufene Arbeitskreis  Regenbogenpastoral will die Lebensrealität von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*personen und Intersexuellen (LSBTI) besser verstehen, Orte der kirchlichen Begegnung schaffen und LSBTI-Menschen mit ihren Angehörigen spirituell bedürfnisgerechter begleiten», so der Wortlaut der Medienmitteilung des Bistums Basel am 11. Mai 2017.

Unverständnis

Horizonte hatte dazu mit Susanne Andrea Birke, der Initiantin des Arbeitskreises Regenbogenpastoral, ein Interview geführt (diesen Beitrag finden sie hier). Der Blick im Gespräch ging dabei vor allem auf die Menschen, die in den Pfarreien ihre Orientierung nicht offen leben können, weil sie sich diskriminiert wissen. Gleichgeschlechtlich liebende und lebende Mitarbeitende waren nicht Thema. Nun hat ausgerechnet das Bistum Basel einem Theologen, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, die Missio für eine Teilzeit-Seelsorgestelle verweigert (Bericht kath.ch) und damit grosses Unverständnis hervorgerufen (Bericht kath.ch).

Weiterführende Fragen

Horizonte hat Susanne Andrea Birke deshalb weiterführende Fragen gestellt. Zum konkreten Fall wollte sich die Theologin nicht äussern, bestätigte aber, dass das Thema der Differenz zwischen pastoralem und personalpolitischem Handeln der Kirche auch im Arbeitskreis auf dem Tisch liegt.

Susanne Andrea Birke, es irritiert, dass das Bistum Basel in der Pastoral die LSBTI (Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle, Anm. d. Red.) mit dem AK Regenbogenpastoral in den Blick nimmt und gleichzeitig das eigene Personal streng behandelt. Wie nehmen Sie das wahr?
Susanne Andrea Birke: Im Umgang mit Pastoralfragen und Personalfragen gibt es leider eine Differenz innerhalb der römisch-katholischen Kirche, die meiner Ansicht nach ihrem Auftrag und ihrer Glaubwürdigkeit schadet. Darüber haben wir auch schon mehrfach im Arbeistkreis gesprochen der zum Bereich Bildung und Pastoral gehört.
Die genannte Differenz kostet die Kirche fähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge, was angesichts der aktuellen Personalsituation besonders schwer nach vollziehbar ist. Der Handlungsbedarf betrifft aber nicht nur Menschen in eingetragener Partnerschaft. Ich denke, wir müssen die verschiedenen Formen des «Zwangszölibats» für Priester, Geschiedene oder Homosexuelle miteinander angehen, ebenso die Frage nach dem Umgang mit Menschen, die sich zum Beispiel im Bereich Regenbogenpastoral oder Frauenpriestertum einsetzen. Auch hier wird von der Glaubenskongregation herkommend sehr stark sanktioniert. Das kann alle treffen, weshalb ich glaube, dass wir hier Druck von vielen Seiten brauchen, um etwas zu bewegen. Bis dahin wünsche ich mir vom Bistum, dass es seinen Handlungsspielraum nutzt.

Haben Sie diese spezielle Situation und diesen Druck während ihrer Arbeit in der Kirche selber erlebt?
Ja, dass das eine ungute Situation für alle Beteiligten ist, habe ich selbst vor über 25 Jahren sehr deutlich zu spüren bekommen. Im Mentorat meines Studienortes war ich die Sprecherin einer Frauengruppe. Im Zusammenhang mit einer Veranstaltung für Lesben wurden dort Räume verweigert. Die Begründung war das es keine Lesben im Mentorat gäbe. Daraufhin fügten wir für «lesbische und nichtlesbische Frauen» in unserer Ausschreibung hinzu, worauf wir unter Druck gesetzt wurden, die Ausschreibung zurückzunehmen oder das Mentorat verlassen zu müssen. Mit dem Mentor und der Mentorin der betreffenden deutschen Diözese war ich bis dahin gut ausgekommen, aber der anschliessende Umgang war für mich so schlecht, dass ich keinen Sinn mehr darin sah, mich tatsächlich bei diesem Bistum zu bewerben. Das war sehr verletzend und ich ging damals davon aus, dass ich wohl kaum mehr bei der Kirche arbeiten werde. Gleichzeitig war klar, dass beide mit dieser Situation selbst alles andere als glücklich waren. Geblieben ist mir die Erkenntnis, dass für mich nicht gelebt wird, was gepredigt wird, dass es in der Regel jene trifft, die sowieso schon ausgeschlossen werden und obendrein Menschen gegeneinander ausgespielt werden, die eigentlich das gleiche möchten.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie unseren Newsletter. Er erscheint alternierend zur Printausgabe alle zwei Wochen – immer mit den aktuellsten Horizonte-Geschichten und oftmals spannenden Verlosungen.