Horizonte-Redaktor Christian Breitschmid wählte als Roten Faden für den Broadcast 2020 die Gedanken des Heiligen Franz von Sales. |  © Susanne Breitschmid

«Verpönte» Begriffe neu belebt

Marie-Christine Andres Schürch, 3.6.20
  • Der Whatsapp-Broadcast von Horizonte begleitete seine Leserinnen und Leser von der Fastenzeit bis Pfingsten.
  • Horizonte-Redaktor Christian Breitschmid liess sich für die einzelnen Beiträge von der Weisheit des Franz von Sales inspirieren.
  • Darüber hinaus bot der Broadcast Bilder, Videos, Musik sowie Wissenswertes vom Fischrezept bis zu den Eisheiligen. Der Austausch mit den Leserinnen und Lesern bekam vor dem Hintergrund der Coronakrise eine neue Tiefe.

 

«Schluss mit lustig – fertig Fasnacht! Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt für uns Christen die 40-tägige Fastenzeit.» Mit diesen Worten begann am 26. Februar der erste Beitrag des Horizonte-Broadcasts. Der verantwortliche Redaktor Christian Breitschmid ahnte da noch nicht, dass ihn der Broadcast weit über die Ostertage hinaus beschäftigen würde. Weil aufgrund der Corona-Massnahmen keine Gottesdienste stattfinden konnten, beschloss die Redaktion, den Broadcast weiterzuziehen, bis die Kirchen wieder öffnen. In den vergangenen drei Monaten sind 33 Beiträge erschienen, durchschnittlich alle drei Tage einer. 377 Frauen und Männer haben sich inzwischen für den Broadcast angemeldet, sie alle erhalten die Meldungen via Whatsapp auf ihr Smartphone.

Mit Leichtigkeit und Freude

«Ich glaube, so langsam hat sich herumgesprochen, dass ich reagiere, wenn man mir schreibt», sagt Horizonte-Redaktor Christian Breitschmid. Die Zahl der Broadcast-Teilnehmer, welche zu den Beiträgen Stellung nehmen, danken, loben und kritisieren, wächst stetig. So erhielt Christian Breitschmid auf den Beitrag zum Weissen Sonntag, in dem er ein Bild von sich als Erstkommunikant in die Runde schickte, zahlreiche Erstkommunion-Bilder von Leserinnen und Lesern. «Der Austausch mit unseren Broadcast-Teilnehmern macht mir wirklich Freude», sagt Christian Breitschmid. Und dank seiner breitgefächerten Interessen und einer guten Portion Neugier gehen ihm auch das Entwickeln von Ideen, das Recherchieren und das Verfassen der Beiträge inklusive Bilder, Musik oder Video meistens leicht von der Hand. «Ich habe immer den Plausch, wenn eine neue Idee Form annimmt. Besondere Highlights sind für mich Beiträge mit guter Musik.»

Geradezu verpönt

Als Roter Faden zog sich durch den Broadcast von Beginn der Fastenzeit bis Pfingsten die Weisheit des Franz von Sales. Dieser war Anfang des 17. Jahrhunderts Fürstbischof von Genf und ein bedeutender christlicher Mystiker. Christian Breitschmid hatte den Heiligen vor ein paar Jahren entdeckt und war von seinen einfachen aber treffenden Gedanken fasziniert. «Franz von Sales passt gut in die Fastenzeit, weil er sich mit der Frage nach echter Frömmigkeit befasst», findet Christian Breitschmid. Die theologisch-philosophische Auseinandersetzung beinhaltet Begriffe wie «Verzicht», «Demut» oder «Beten». So lautete die Einleitung zu einem der Broadcast-Beiträge: «Die Fastenzeit eignet sich wunderbar, um ein paar total veraltete und in unserer Gesellschaft geradezu verpönte Begriffe wieder aus der Versenkung zu holen.»

Eine Zumutung

So folgten – passend zur Fastenzeit und zum sich ausbreitenden Virus –Impulse zu den unpopulären Begriffen. Die Leserinnen und Lesern reagierten mehrheitlich positiv auf diese «Zumutung». Am meisten Reaktionen kamen auf den Beitrag zum Thema «Beten»: «Es zeigte sich, dass viele unserer Broadcast-Abonnenten eine Gebetspraxis kennen und sich mit dem Thema beschäftigen», fasst Christian Breitschmid zusammen.

«Das stehen wir durch»

Der Hintergrund der weltweiten Pandemie verlieh den Diskussionen zwischen Redaktor und Lesern eine neue Qualität. «Erwartet hatte ich schöne Fotos von Osternestli und gefärbten Eiern. Aber unsere Leserinnen und Lesern zeigten sich dieses Jahr nachdenklicher und tiefgründiger», sagt Christian Breitschmid rückblickend. Der Tenor sei allerdings stets hoffnungsvoll gewesen: «Wir stehen das gemeinsam durch und holen die verpassten Feiern irgendwann nach», hätten viele Kommentare gelautet. «Ja, ich habe den Eindruck, die Leute suchen in der momentanen Krise Antworten und Kraft auch bei der Kirche», beobachtet Christian Breitschmid, relativiert aber: «Allerdings kann man ja davon ausgehen, dass sich eher kirchen- und religionsinteressierte Menschen beim Broadcast des Pfarrblatts anmelden.»

Abschluss des Osterfestkreises

Dass aus den geplanten 40 Tagen für den Broadcast am Ende 90 geworden sind, ergibt mindestens theologisch Sinn: Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, bildet den Abschluss des Osterfestkreises.

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