Vor einem Jahr lancierte Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit der regionalen Caritas Aargau-Solothurn in Suhr das Projekt «Eine helfende Hand». Mittlerweile steht der «rote Wagen», die Anlaufstation, mitten im Zentrum von Suhr. Sowohl Caritas als auch die Gemeinde Suhr ziehen ein erstes  positives Fazit und sind für das laufende zweite Jahr des Pilotprojekts zuversichtlich. | © Andreas C. Müller

Vor einem Jahr lancierte Caritas «Eine helfende Hand» in Suhr

Andreas C. Müller, 15.1.18
  • Zwar hat das Projekt noch nicht so viele Aufträge wie erhofft, doch sowohl Caritas als auch die Gemeinde Suhr ziehen ein positives erstes Fazit.
  • Ob das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt weitergeführt wird, entscheidet sich im Sommer.
  • Im Raum Zürich werden bereits zwei weitere Standorte aufgebaut.

 

Vor einem Jahr startete Caritas Schweiz in Suhr mit dem neuen Betreuungsangebot «Eine helfende Hand». Der auf zwei Jahre angelegte Pilotversuch mit dem «roten Wagen» als Erkennungsmerkmal bietet älteren Menschen in Ergänzung zu Spitex und anderen Care-Organisationen eine Art «professionelle Nachbarschaftshilfe». Motivieren und begleiten im Alltag wolle man, umriss Projektleiter Andy Huwyler die Ziele vor einem Jahr. Beispielsweise für den Gang zum Arzt oder zum Coiffeur, für Unterstützung im Haushalt oder beim Einkaufen.

Mit Quartierrundgängen will man sich abheben

Im Gegensatz zum Roten Kreuz, das solche Unterstützung ebenfalls anbietet, habe man mit dem «roten Wagen» aber eine fixe Anlaufstelle direkt im Quartier und sei nahe bei den Leuten, erklärt Andy Huwyler. Auf Spaziergängen durchs Quartier schaue man zudem, wo allenfalls ältere Menschen zurückgezogen lebten und Hilfe benötigten (Horizonte berichtete).

Im vergangenen Jahr zügelte der «rote Wagen» vom Quartier Feld mitten ins Zentrum von Suhr. Neue Köpfe vor Ort mit Bezug zur Gemeinde geben dem Angebot ein Gesicht. «Das Ganze hat sich gut entwickelt», freut sich Andreas Huwyler. «Zwar langsam, aber unsere Klienten sind sehr zufrieden. Sie merken, dass wir uns Zeit nehmen können, und das kommt gut an.»

Entscheid über Weiterführung fällt im Sommer

Ob der auf zwei Jahre angelegte Pilotversuch verlängert wird, soll diesen Sommer entschieden werden. Er sei zuversichtlich, so Andy Huwyler, denn: «Das Angebot ist gefragt – auch als Entlastung für den Sozialdienst der Gemeinde.» Man prüfe aktuell noch, ob das Angebot auf die Gemeinde Suhr beschränkt bleiben oder auch auf die Gemeinden in der näheren Umgebung ausgeweitet werden solle. Entsprechende Anfragen habe man nämlich schon bekommen.

Eine positive erste Bilanz zieht auch Kristina Terbrüggen von der Fachstelle Alter und Freiwilligenarbeit der Gemeinde Suhr. Die studierte Gerontologin steht in regelmässigem Kontakt mit dem Projektteam und unterstützte dieses beim Umzug und verschiedenen Verbesserungen. «Wir haben gemerkt, dass Suhr zu klein ist, als dass man so ein Projekt auf ein Quartier beschränken kann», erklärt Kristina Terbrüggen gegenüber Horizonte. Am neuen Standort ergeben sich mehr Kontakte.» Positiv ausgewirkt habe sich auch, dass für die Koordinationsperson der Einsätze die Gemeinde Suhr sehr vertraut ist. «Ich sehe die Entwicklung positiv und bin nicht enttäuscht, dass man noch keine gigantischen Zahlen bei den Aufträgen hat», bilanziert Kristina Terbrüggen. «Das ist eine innovative Sache und braucht Zeit.»

Zwei Standorte im Raum Zürich

Im Lochergut im Zürcher Kreis 4 hat Andy Huwyler letzten Herbst bereits einen zweiten Standort für das Projekt «Eine helfende Hand» aufgebaut. Im Unterschied zu Suhr betreue man in Zürich tendenziell etwas jüngere Menschen mit einer IV-Rente. Diese hätten aber dieselben Bedürfnisse wie die Kunden in Suhr. Ein dritter Standort ist ebenfalls im Raum Zürich geplant. Dieser wird in Absprache mit Caritas Zürich geplant. Wo er zu stehen komme, sei noch offen.

Im Kanton Aargau funktioniere die Zusammenarbeit mit der regionalen Caritas sehr gut, lobt Andy Huwyler und erwähnt die Zusammenarbeit im Bereich «Kulturlegi» sowie Möglichkeiten für öffentliche Auftritte, um das Projekt bekannt zu machen. Finanziert wird «Eine helfende Hand» von namhaften Stiftungen, unter anderem von der Professor Otto Beisheim-Stiftung und der Stiftung Accentus, welche von der Credit Suisse unterstützt wird.

 

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Im Inneren des Caritas-Wagens erklärt Projektleiter Andy Huwyler die Arbeit seines Teams. Im Hintergrund der Einsatzplan. | © Andreas C. Müller
Projektleiter Andy Huwyler
Ein wesentlicher Aspekt des Caritas-Pilotprojekts ist die Quartierarbeit: In Gesprächen mit Anwohnerinnen und Anwohnern versucht Andy Huwyler (rechts) herauszufinden, wo Hilfe gebraucht werden könnte. | © Andreas C. Müller
Zentrales Element ist die Quartierarbeit:
Andy Huwyler spricht auf seinen Rundgängen durchs Quartier die Leute auch direkt an. «Wichtig ist, dass die Leute uns kennenlernen, wissen, wer wir sind und was wir tun. Das schafft Vertrauen.» | © Andreas C. Müller
Leute direkt ansprechen...
Wo die Rollläden über Tage hinaus unten bleiben, ist Andy Huwyler besonders sensibilisiert: «Geschlossene Rollläden sind oft ein Zeichen inneren Rückzugs. Ich versuche dann, via Hauswart oder Nachbarn herauszufinden, ob Hilfe gebraucht wird.» | © Andreas C. Müller
...und wachsam sein
Caritas will sich Zeit lassen für die Menschen, auch einfach mal nur zuhören und eine Tasse Kaffee trinken - Dinge, für welche Organisationen wie die Spitex im Rahmen ihres Leistungsauftrages keine Ressourcen haben. | © Bernhard Ackermann
Vor Ort: Helfen, zuhören und Zeit für Kaffee
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