Gemeinsam Zeit verbringen, einander Geschichten vorlesen.... Weihnachten ist nach wie vor das unbetrittene Familienfest. Das schätzen auch die Volquarts aus Würdenlos (im Bild Mutter Anke mit den beiden Töchtern Mari und Lotta). | © Werner Rolli

Weihnachten ist und bleibt Familienfest

Andreas C. Müller, 24.12.19
  • Zu Weihnachten feiern wir das Hochfest der Geburt des Herrn, im Anschluss daran dann auch das Fest der Heiligen Familie. Grund genug für Horizonte, zwei Familien zu besuchen, um zu sehen, was jenen Weihnachten und bedeutet und wie sie Weihnachten feiern. Bewusst galt unser Besuch einer reformierten und einer kirchenfernen Familie.
  • Es zeigte sich: Egal, ob kirchenfern oder kirchenverbunden: Es gibt auffallend viele Gemeinsamkeiten in der Art und Weise, wie Familien Weihnachten feiern.

 

Bei den Volquarts’ aus Würenlos (Name von der Redaktion geändert) weihnachtet es bereits zu Mitte Dezember sichtlich. Der festlich geschmückte Christbaum steht seit dem zweiten Advent in der Ecke im Wohnzimmer, auf dem Esstisch findet sich eine Dose mit frisch gebackenen Mailänderli und auf einem Beistelltischlein ruht ein selbst gebastelter Adventskranz von Tochter Lotta. Dass die Kinder basteln, das sei für ihn der eindeutigste Hinweis darauf, dass es auf Weihnachten zugehe, erklärt Vater Gijs. «Das beginnt meist Mitte November.»

«Wir feiern, dass die Tage wieder länger werden»

Klar mögen die Töchter Lotta (10) und Mari (11) Geschenke, doch das Wichtigste für sie an Weihnachten sind die Familie und der geschmückte Tannenbaum. «Weihnachten, das ist für uns ein Familienfest», erklärt Mutter Anke. «Wir feiern, dass die Tage wieder länger werden.» Als Kind sei sie katholisch erzogen worden. Ihr Vater singe immer noch im Kirchenchor, sie selbst habe sich aber von der Kirche entfremdet, gehe nicht mehr in den Gottesdienst – auch nicht an Weihnachten. Und eine Krippe habe man auch nicht.

Für Ehemann Gijs, der aus Holland stammt, sieht es mit der Bedeutung von Weihnachten nochmals anders aus: «Bei uns war die Ankunft von Sinter Claas am 6. Dezember das eigentliche Fest mit Bescherung. An Weihnachten gab es gar keine Geschenke. Das hat sich erst in jüngster Zeit in Holland so entwickelt.» Auch Gijs ist katholisch aufgewachsen, ging als Kind und Jugendlicher regelmässig zur Kirche. «Mit 14 Jahren hatte ich dann keine Lust mehr. Meine Eltern sträubten sich zunächst, gaben dann aber nach.»

«Wir haben immer denselben Ablauf»

So wie bei vielen anderen Familien laufen auch bei den Volquarts’ am Weihnachts- abend bestimmte Dinge immer gleich. «Im Laufe des Tages kommt zuerst meine Schwester, gegen Abend dann mein Vater mit seiner Partnerin», beginnt Mutter Anke zu erzählen. Mit ihnen feiern wir immer zusammen. Meist schon am 23. Dezember, wenn Ankes Vater an Heiligabend im Gottesdienst mit dem Kirchenchor singt. Mit dem Datum nimmt man es bei den Volquarts’ nicht so genau – auch weil es am 25. Dezember dann zu Gijs’ Familie nach Holland geht, wo dann noch einmal gefeiert wird.

Am Weihnachtsabend schaut man zuerst immer denselben Film: entweder «Der kleine Lord» oder «Drei Nüsse für Aschen- puttel». Dann gibt’s Essen und Bescherung. «Mein Vater organisiert eine Vorspeise, ich bereite ein Fondue Chinoise vor, und meine Schwester bringt Tiramisu zum Dessert», berichtet Mutter Anke. Für dieses Jahr dürfte jedoch der Hauptgang erstmals geändert werden, denn die 10-jährige Lotta ist Vegetarierin geworden.

«Es ist wichtig, dass man weiss, was gefeiert wird»

Die Bescherung findet immer zwischen Hauptgang und Dessert statt. «Wir Erwachsenen schenken einander nichts», erklärt Vater Gijs. Geschenke gibt’s nur für die Kinder und von den Kindern. Darauf angespro- chen, was sich die Kinder denn am meisten wünschen, überlegt Lotta zunächst lange. Es zeigt sich, dass es ihr nicht um etwas Materielles geht. «Schnee», meint sie schliesslich zögerlich. «Dass es an Weihnachten einmal richtig schön weiss ist.»

Bei den Pfeiffers aus Aarau hat die christliche Botschaft des Weihnachtsfests einen hohen Stellenwert. Die Familie mit vier Kindern im Alter von drei bis elf Jahren geht an Heiligabend jeweils um 17 Uhr in den Familiengottesdienst. Weiter gehört christliches Liedgut genauso zu Weihnachten wie der Besuch eines Krippenspiels und die Auseinandersetzung mit der Weihnachtsgeschichte.

«Ich finde es wichtig, dass man weiss, warum wir Weihnachten feiern», meint Familienvater Simon Pfeiffer, der als reformierter Pfarrer wirkte und seit Herbst bei der Reformierten Kirche Aargau auf der Fachstelle kirchlicher Religionsunterricht arbeitet. «Gott kommt als Menschlein auf die Welt.» Entsprechend ist für ihn auch klar: Weihnachten, das ist einer dieser vier Tage im Jahr, wo jeder christliche Haushalt in die Kirche geht.»

Der Baum kommt aus dem Garten

Im Übrigen halten es die Pfeiffers mit Weihnachten wie viele andere Familien: Das Zusammensein als Familie steht für sie im Zentrum. Und damit es mit der gesamten Verwandtschaft klappt, wird auch schon mal vor Weihnachten gefeiert. «Das ist schon speziell», äussert Mutter Corinne ihre gemischten Gefühle in diesem Zusamme hang, meint dann aber: «Es liess sich anders einfach nicht einrichten.»

An Heiligabend hat alles seinen traditionellen Gang. «Das ist mir wichtig», erklärt Corinne Pfeiffer: um 17 Uhr der Weihnachtsgottesdienst. Während dieser Zeit buddelt «das Christkind» im Garten den Tannen- baum aus. Die Familie findet ihn dann geschmückt und mitsamt Geschenken im Wohnzimmer vor.

«Weniger machen entstresst»

Heiligabend verbringt Familie Pfeiffer unter sich. Jeder darf zunächst ein Geschenk aufmachen. Die restlichen gibt’s dann am 25. Dezember. Es folgen das Singen von Weihnachtsliedern und ein gemeinsames Essen. Auch bei den Pfeiffers gibt es zu Weihnachten immer in etwa dasselbe Menü. «Etwas, das man vorbereiten kann und nicht viel Aufwand bereitet», meint Mutter Corinne: «Meist Nüsslisalat und Wienerli.»

Dass Weihnachten auch zu Stress führen kann, wissen die Pfeiffers. «Aus diesem Grund schenken wir Erwachsenen einander nichts mehr», erklärt Corinne Pfeiffer. Weiter verzichtet die Familie dieses Mal erstmals aufs Gestalten eines Fensters für den Quartieradventskalender. «Und den Adventskranz machen wir auch nicht mehr selbst, meint Mutter Corinne. Auf die Frage, worauf man auf keinen Fall je verzichten würde, sind sich alle schnell einig: Das Zusammensein mit der Familie.

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