Gottesdienst nach Schutzkonzept: Um bei einer allfälligen Ansteckung mit Covid-19 andere Gottesdienstbesucher warnen zu können, sollten alle ihre Adresse hinterlassen. | © Christian Breitschmid

Wiederaufnahme der Gottesdienste ist im Aargau gelungen

Christian Breitschmid, 8.6.20
  • Basierend auf den Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit und der Vorlage des Bistums, haben die Pfarreien im ganzen Kanton ihre eigenen Schutzkonzepte ausgearbeitet und umgesetzt.
  • Die Rückmeldungen aus allen Regionen sind durchweg positiv. Die Gläubigen kamen und sie bekundeten keine Mühe damit, die notwendigen Massnahmen zum Schutz vor Selbst- und Fremdansteckung mit dem Coronavirus einzuhalten.

 

«Der Bundesrat hat uns total überrumpelt», sagt der Leiter des Pastoralraums Siggenthal, Michael Lepke. Tatsächlich kam die Erlaubnis zur Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste ab dem 28. Mai mit nur fünf Tagen Vorlauf wohl für alle Kirchenmitarbeiter sehr überraschend. Michael Lepke hat mit seinem Team tatsächlich erst am Pfingstsonntag wieder losgelegt. Aber wenn man die Verantwortlichen in den Pastoralräumen und Pfarreien zu ihren Erfahrungen aus dem Pfingstwochenende befragt, dann lautet der Grundtenor: «Es ist uns gelungen.»

Schon vor dem 28. Mai hat Horizonte bei fünf Pfarreiverantwortlichen nachgefragt, wie sie die Wiederaufnahme der Gottesdienste unter den notwendigen Schutzkonzepten gestalten wollten.  Nach dem Pfingstwochenende haben dieselben fünf Seelsorger nochmals mit Horizonte gesprochen. So berichtet Michael Lepke, dass in allen drei Pfarreien seines Pastoralraums, in Nussbaumen, Kirchdorf und Untersiggenthal, Vertreter der jeweiligen Pfarrei die Gläubigen schon vor dem Eingang der Kirche persönlich begrüsst hätten. Dazu standen hübsch dekorierte Partytische bereit und auch die Kirchen waren festlich geschmückt. «Bei uns wurden die gesperrten Bänke mit farbigen Bändern gekennzeichnet», erzählt Michael Lepke, «denn ich wollte nicht, dass man sich in der Kirche vorkommt wie auf einer Baustelle oder im Supermarkt.»

«Sogar ein paar neue Gesichter gesehen»

Weit über 100 Menschen wohnten im Pastoralraum Siggenthal den Pfingstgottesdiensten bei. «Das entspricht schon beinahe den Besucherzahlen, die wir vor Corona hatten», erklärt Michael Lepke. «Einige trauen sich vielleicht noch nicht, das kann ich gut verstehen. Aber es waren doch erstaunlich viele, die schon wieder kamen. Und ich habe sogar ein paar neue Gesichter gesehen, die vorher noch nie in der Kirche waren. Ich will das jetzt nicht überinterpretieren, aber es war halt schon eine bedrohliche Zeit mit diesem Virus. Vielleicht hat das dazu geführt, dass einige wieder die Nähe zur Kirche suchen.»

«Wie die Umarmung einer geliebten Person»

Diakon Francesco Marra, Koordinator im Pastoralraum Muri AG und Umgebung, beschreibt seinen Eindruck von der Wiederaufnahme der Gottesdienste mit den Worten von Pastoralraumkaplan Josef Wiedemeier: «Diese Gottesdienste waren wie die Umarmung mit einer geliebten Person, nachdem man diese nach elf Wochen Trennung zum ersten Mal wiedersieht.» Genau diese Wiedersehensfreude prägte die liebevoll vorbereiteten Gottesdienste und Messen im Freiamt. «In jeder unserer sechs Pfarreien haben die Kirchenpflegen und Pfarreiräte sehr gut gearbeitet. Jede Kirche hat ihre Gläubigen auf eigene Weise willkommen geheissen, und es war eine grosse Freude, wieviel Verständnis die Menschen für die Schutzmassnahmen hatten und diese auch befolgten.»

Bei der Ausarbeitung des Schutzkonzeptes habe man sich streng an die Vorgaben des Bistums gehalten, sagt Francesco Marra. Nur wenige individuelle Anpassungen seien aufgrund der örtlichen Begebenheiten notwendig gewesen. Dasselbe gilt auch für die anderen Pfarreien, die von Horizonte um ein Résumé gebeten wurden. Die Umsetzung der Schutzkonzepte hat nirgendwo Probleme verursacht, aber der personelle, materielle und dadurch auch finanzielle Mehraufwand sei nicht zu unterschätzen, bestätigen alle fünf befragten Leitungspersonen. Etwa der Leiter des Pastoralraums Brugg-Windisch, Simon Meier: «Wir brauchen viel mehr Leute, viele Freiwillige. Das wird auf lange Sicht schwierig. Ich frage mich schon, über wieviele Wochen sich dieser Aufwand aufrechterhalten lässt. Irgendwann stossen wir an unsere Grenzen.»

Mindestabstand eingehalten – keine Namenslisten

Auch in Brugg-Windisch wurde das Angebot in den fünf Kirchenzentren des Pastoralraums rege benutzt. Das Schutzkonzept, bei dessen Umsetzung man die Checkliste der Katholischen Kirche Stadt Luzern angewendet hat, wurde von allen Beteiligten souverän umgesetzt. Einzig in Bezug auf die Erfassung der Personalien der Gottesdienstbesucher habe es Unsicherheiten gegeben, erzählt Simon Meier. «Wir haben uns dann entschlossen, keine Namenslisten zu führen, wenn der Mindestabstand zwischen den Leuten eingehalten werden kann.»

Mit dem vorgegebenen Abstand von zwei Metern zwischen den einzelnen Kirchgängern hat man im Seelsorgeverband Homberg kein Problem, denn die Kirche von Zeihen bietet Platz für gut 400 Personen. Diakon Andreas Wieland, zuständig für die drei Verbandspfarreien Herznach, Hornussen und Zeihen, lud darum alle Gläubigen des Seelsorgeverbandes nach Zeihen ein. Rund 60 Personen sind seiner Einladung zum festlichen Pfingstgottesdienst mit Orgel und Trompete gefolgt. «Es war ein schöner und würdiger Gottesdienst», resümiert Andreas Wieland, «und es waren sogar eher mehr Leute da als bei einem normalen Pfingstgottesdienst. Ohne Corona wären doch viele Leute über die Pfingsttage verreist.» Der einzige Wermutstropfen war für den musikbegeisterten Theologen, dass zu wenige Lieder gesungen werden durften: «Der Gesang ist doch die Musik der Seele», betont er, «sie befreit und ist genauso wichtig im Gottesdienst wie das Wort.»

«Das Ganze ist schon sehr verkopft»

«Ich habe mich beim Gesang an die Weisungen des BAG gehalten», sagt Markus Stohldreier, Gemeindeleiter ad interim der beiden Pfarreien Aarburg-Oftringen Nord und Rothrist-Murgenthal. «Ich habe als Impuls kurze Zitate aus dem Liedtext gelesen, dann hat die Orgel die Melodie gespielt.» Die Umsetzung des Schutzkonzeptes habe bei ihnen gut funktioniert, «nur ein paar Gottesdienstbesucher hatten etwas Mühe, sich auf dem ungewohnten Gang zur Kommunion zurechtzufinden.»

Er betont, dass er sein Hirtenamt «in der Diaspora» ausübe. Dennoch seien auch hier gut 60 Menschen zum ersten Gottesdienst nach der Wiederaufnahme erschienen. «Das entspricht in etwa dem Gottesdienstbesuch unter normalen Umständen», erläutert Markus Stohldreier. Die Ausarbeitung des Schutzkonzeptes sei eine aufwendige Sache gewesen, aber es funktioniere gut. «Das Ganze ist schon sehr verkopft», meint der zweifache Doktor, «aber es ist wichtig, dass der Anfang gemacht ist. Jetzt hoffen wir, dass es bald noch besser wird.»

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