Davis Mac-Iyalla ist der diesjährige Gast bei der Segensfeier für gleichgeschlechtlich Liebende, ihre Freundinnen und Freunde, Bekannten und Familien. Er stammt aus Nigeria und engagiert sich von London aus für die Gleichberechtigung der LGBT-Menschen in seiner Heimat. | © Marcin Mazur

Gefährdet an Leib und Leben

Davis Mac-Iyalla engagiert sich für die Rechte homosexueller Menschen in Westafrika

Anne Burgmer, 10.4.17

Seit vier Jahren wird im Aargau einmal im Jahr eine Segensfeier für gleichgeschlechtlich Liebende, ihre Freundinnen und Freunde, Bekannten und Familien gefeiert. Bereichert wird die Feier jeweils durch einen Gast und seinen Blickwinkel auf die Welt. Dieses Jahr ist das der nigerianisch-britische Doppelbürger Davis Mac-Iyalla.

Ghana, Togo, Benin und Nigeria – die Reise, die Davis Mac-Iyalla im März 2015 unternommen hat, war nicht ungefährlich. Er reiste zurück in Länder, in denen er selber schönes und schweres erlebt hat. Länder, in denen gleichgeschlechtlich liebende Menschen wie Davis oder Menschen, die sich in ihrem männlichen oder weiblichen Körper falsch fühlen, und das nach aussen tragen, an Leib und Leben gefährdet sind; eine Erfahrung, die Davis Mac-Iyalla teilt.

Hoffnung auf Unterstützung

Ursprünglich in Nigeria beheimatet, begann der anglikanische Christ Davis Mac-Iyalla im Jahr 2005 mit der Organisation einer christlichen Gruppe «Changing attitude», die sich gegen Diskriminierung von LGBT-Menschen in Nigeria einsetzte (LGBT steht für Lesbisch, Gay (schwul), Bisexuell, Transsexuell). 2008 verliess Davis Mac-Iyalla Westafrika und ging nach London. Doch er engagiert sich weiterhin für die Gleichberechtigung von Westafrikanischen LGBT-Menschen, die sich wenigstens von ihrer Kirche Unterstützung erhoffen. Die oben erwähnte Reise machte Davis Mac-Iaylla, um mit Blick auf die Familiensynode in Rom 2015 Geschichten von LGBT-Menschen zu hören und weiterzuerzählen. Er selber reiste nach Rom, um mit den entsprechenden afrikanischen Bischöfen das Gespräch zu suchen.

Hohe Strafen für Homosexualiät

«Es ist traurig, sagen zu müssen, dass ein Gespräch mit den Bischöfen nicht möglich war. Doch ich habe Theologen und Gelehrte getroffen, die sehr offen unseren Geschichten zugehört haben», erklärt Davis Mac-Iyalla. Seit seiner Rückkehr aus Rom habe er jedoch Kontakt zu afrikanischen Bischöfen und Kirchenführern aufnehmen können. «Worin sie mittlerweile mit uns einig sind ist, dass niemand aufgrund seiner Sexualität und sexuellen Orientierung strafrechtlich verfolgt oder kriminalisiert werden darf», sagt Davis-Mac-Iyalla. Was einfach gesagt ist, ist mit Blick auf die Realität eine schwierige Sache. Immer noch erwarten homosexuelle Menschen allein aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in 35 von 55 anerkannten Afrikanischen Staaten gesetzlich festgelegt teils hohe Gefängnisstrafen.

Kirche vergisst Worte Jesu

Besonders tragisch ist, und das offenbaren die verschiedenen Erzählungen aus Ghana, Togo, Benin und Nigeria, dass gerade die Kirche oftmals mit daran beteiligt ist, wenn sich das Klima gegen LGBT-Menschen verschärft. «Die Kirche sollte sich immer an die Worte Jesu Christi erinnern, die besagen, dass wir einander mit Liebe und Respekt begegnen sollen. Stattdessen tut sie das Gegenteil. Sie schuf eine Atmosphäre der Angst und des Hasses. Sie behandelt ihre LGBT-Mitglieder wie Menschen zweiter Klasse», stellt Davis Mac-Iyalla fest. Um weiter für die Rechte und Gleichberechtigung zu kämpfen, gründete Davis Mac-Iyalla 2016 das «Interfaith Diversity Network of West Africa» und kämpft auch im neuen Land für die Menschen seiner alten Heimat weiter.

Gleichberechtigung ist christlich

Im Vergleich zur Situation homosexueller Menschen in Afrika, scheint die Lage in der Schweiz auf den ersten Blick fast paradiesisch. Was können die Schweizer Christen zur Unterstützung der weniger privilegierten Menschen tun? «In der Schweiz liegt der Fokus auf der Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften als Ehe. Doch auch in der Schweiz gibt es religiöse Menschen, die die Gleichberechtigung nicht als Teil christlicher Überzeugung verstehen. Doch für diese Gleichberechtigung sollte man kämpfen», sagt Davis Mac-Iaylla und fügt hinzu: «Wir sind alle nicht frei und gleichberechtigt, solange noch irgendwo Menschen unfrei und ungleich behandelt werden».

 

Segensfeier

Zum vierten Male gibt es die herzliche Einladung zur Segensfeier für gleichgeschlechtlich Liebende, ihre Freundinnen und Freunde, Bekannten und Familien, denn Gott nimmt alle Menschen so an, wie sie sind.

Am 28. April 2017, findet von 19 bis 21 Uhr die Segensfeier in der Kapelle unter der Katholischen Kirche St. Anton, Wettingen statt (ohne Anmeldung).

Bereits von 16 bis 17.30 Uhr findet in der Kanti Wettingen ein Anlass mit Davis Mac-Iaylla zur Situation der christlichen LGBT-Menschen in Westafrika statt.

Anmeldung dafür: bildungundpropstei@kathaargau.ch

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