Wasser aus allen Pfarreien des Pastoralraums Aare-Rhein fliesst in einer Karaffe zusammen. «Es soll abwaschen, was uns voneinander und von Gott trennt», sagte der Leuggemer Pfarrer Stefan Essig.  | © Roger Wehrli

Neuer Pastoralraum: Regenbogen über Aare und Rhein

Marie-Christine Andres Schürch, 17.3.19
  • Am Festgottesdienst in der katholischen Kirche Döttingen errichtete Bischof Felix Gmür am Sonntag, 17. März 2019, den Pastoralraum Aare-Rhein.
  • Der neue Pastoralraum umfasst die sieben Pfarreien Döttingen, Kleindöttingen, Klingnau, Koblenz, Leibstadt, Leuggern und Schwaderloch.
  • Mit dem Pastoralraum Aare-Rhein sind nun 14 von 24 geplanten Pastoralräumen im Aargau errichtet.

 

Für einmal waren die Schweizergardisten in ihrer blau-gelb gestreiften Galauniform nicht der auffälligste Hingucker einer Pastoralraumfeier. Für den Gottesdienst in der Döttinger Kirche hatten die sieben Pfarreien lange Tücher in den sieben Farben des Regenbogens an die Altarwand gehängt. Die Seelsorgenden der einzelnen Pfarreien trugen je eine Stola in einer dieser Farben. Die Regenbogenfarben, die auch das Logo des neuen Pastoralraums prägen, betonen den Gedanken, dass die sieben Pfarreien gemeinsam ein grösseres Ganzes bilden. Und sie verdeutlichen, dass jede Pfarrei ihren gleichberechtigten Platz im Pastoralraum hat. Mehrfach bekräftigten die verantwortlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger des frisch errichteten Pastoralraums Aare-Rhein ihren Willen zur konstruktiven Zusammenarbeit.

Erfolg im zweiten Anlauf

Der Wille zur Zusammenarbeit drückte sich auch musikalisch aus. Die einzelnen Strophen des Eröffnungslieds wurden auf die Gottesdienstbesucher aus den einzelnen Pfarreien aufgeteilt. Für die letzte Strophe durften alle gemeinsam in den Gesang einstimmen. Und weil im neuen Pastoralraum Aare und Rhein zusammenfliessen, brachten Vertreterinnen jeder Pfarrei Wasser mit und leerten es in eine Schale. Stefan Essig erklärte, das gesammelte Wasser solle einerseits an die Taufe erinnern, darüber hinaus aber auch alles abwaschen, was die Menschen voneinander und von Gott trenne.

Bischof Felix Gmür las aus dem Lukasevangelium die Begebenheit der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor vor. Lukas erwähnt, dass die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes das wichtige Ereignis verschliefen. Daran knüpfte Bischof Felix in seiner Predigt an: «Auch ich verschlafe manchmal. Auch wir nehmen den Glauben manchmal auf die leichte Schulter und laufen Gefahr, etwas zu verschlafen. Deshalb bin ich froh, hat die Errichtung des Pastoralraums im zweiten Anlauf nun geklappt.» Er betonte, dass die Gottesdienstbesucherinnen und –besucher der eigentliche Grund für die Feier sind: «Jesus aufersteht nicht für sich selber, sondern für uns! Wir errichten den Pastoralraum nicht fürs Bistum, weil wir gerne Dokumente schreiben. Sondern für Sie alle, damit wir den Glauben besser leben können.»

Unstimmigkeiten und Verletzungen hinter sich lassen

Wiederholt fiel in der Feier der Satz: «Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus, nach dem, was vor mir ist.» (Phil 3,13). Die Lesung aus dem Philipperbrief betonte den gemeinsamen Neustart der sieben Pfarreien als Pastoralraum. Man konnte erahnen, dass es in der jahrelangen Vorbereitungsphase durchaus Unstimmigkeiten und Verletzungen gegeben hatte. Auch Bischof Felix meinte: «Es war ein langer Weg, hinauf auf den Berg und wieder hinunter.» Dann setzte er seine Mitra auf: «Jetzt bin ich froh, dass ich in meiner Funktion als Bischof von Basel den Pastoralraum Aare-Rhein errichten darf.»

Bischof Felix räumte ein, dass es manches gebe, worauf die Gläubigen durch den Zusammenschluss in Zukunft verzichten müssen. Doch sie bekämen dafür auch Neues. Damit deutete er die vielfältigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Austausches an. Das Pastoralraumteam kümmert sich um die Seelsorge im Pastoralraum Aare-Rhein und hat die Verantwortlichkeiten für Ressorts wie Diakonie, Erwachsenenbildung, Religionsunterricht und Katechese und weitere unter sich aufgeteilt.

Auf Veränderungen vertrauen

Der Pastoralraum wird geleitet vom Döttinger Seelsorger Daniel Kyburz-Erne. Stefan Essig ist Leitender Priester und zuständiger Seelsorger für die Pfarrei Leuggern. In Koblenz ist Sabine Tscherner als Seelsorgerin zuständig, in Klingnau Niko Banovic. Christina Burger wirkt als Seelsorgerin in Kleindöttingen, Walter Gagesch ist zuständiger Seelsorger für Leibstadt und Schwaderloch. Zum Pastoralraumteam gehören auch die kirchliche Jugendarbeiterin Clia Bugmann sowie der Jugendseelsorger Thomas Scheibel.

In seinem Schlusswort nahm der frisch eingesetzte Pastoralraumleiter Daniel Kyburz die schlafenden Jünger nochmals auf: «Auch ich habe am Anfang dieses Prozesses geschlafen und war wenig begeistert. Doch ich habe durch meine Kollegen und die Katechetinnen gelernt, Vertrauen zu haben.» Spontanen Applaus erntete er, als er fortfuhr: «Ich habe so viel Vertrauen, dass ich wünsche und hoffe, dass meine Enkeltochter erleben darf, dass Frauen Priesterinnen werden. Ihr Frauen macht die Kirche reich.»

Kulinarischer Praxistest

Der Apéro fand auf dem nahen Schulhausplatz statt. Jede Pfarrei hatte einen Stand aufgebaut, wo es vom Tomaten-Mozzarella-Spiessli über frittierte Reisbällchen, Kaffee und Kuchen eine bunte Palette verschiedener Köstlichkeiten zu probieren gab. Die Zusammenarbeit hat somit den Praxistest auf kulinarischer Ebene bestanden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der mehrmals bekräftigte Wille zur Zusammenarbeit auf weiteren Ebenen solche Früchte trägt. Wenn ja, kann der Regenbogen über Aare und Rhein bunt zu leuchten beginnen.

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Die Seelsorgerinnen und Seelsorger des neuen Pastoralraums von links: Stefan Essig, Walter Gagesch, Christina Burger, Niko Banovic, Sabine Tscherner und Pastoralraumleiter Daniel Kyburz. | © Roger Wehrli
Seelsorgeteam in Regenbogenfarben
«Jesus ist nicht für sich selbst gestorben, sondern für uns!», betonte Bischof Felix Gmür. Deshalb hoffe er, dass die Menschen im neuen Pastoralraum gemeinsam auf Jesus schauen, um hier und jetzt gut zusammen zu leben. | © Roger Wehrli
Bischof Felix Gmür
Der eigens für den neuen Pastoralraum gestaltete Leuchter wird an den Patrozinien der verschiedenen Pfarreien zum Einsatz kommen. | © Roger Wehrli
Pastoralraum-Leuchter
Die Kirche St. Johannes Evangelist in Döttingen war gut gefüllt. | © Roger Wehrli
Gut gefüllte Kirche
Bischof Felix Gmür errichtete den Pastoralraum Aare-Rhein. «Es war ein langer Weg, hinauf auf den Berg und wieder hinunter.» | © Roger Wehrli
Bischof vor Regenbogenkulisse
Der Projektchor, bestehend aus Sängerinnen und Sängern der verschiedenen Kirchenchöre. | © Roger Wehrli
Projektchor
Kein gewöhnlicher Apéro, sondern eine Art «Street-Food-Festival» mit vielen Essens- und Getränkeständen. | © Roger Wehrli
Street-Food statt Apéro
Die Schweizergardisten mit ihren Galauniformen waren ein zusätzlicher Blickfang an der feierlichen Errichtung. | © Roger Wehrli
Gardisten in Galauniform
Daniel Kyburz, Leiter des Pastoralraums Aare-Rhein, mit Bischof Felix Gmür, flankiert von Schweizergardisten. | © Roger Wehrli
Pastoralraumleiter, Bischof und Garde
Essen und Trinken gab es auf dem nahen Schulhausgelände an Ständen, die von den sieben Pfarreien aufgestellt wurden. Die Zusammenarbeit im kulinarischen Bereich bestand den Praxistest. | © Roger Wehrli
Kulinarischer Praxistest
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