03.03.2021

Die Kantonspolizei Aargau warnt vor falschen Polizisten
Betrüger zocken ältere Menschen ab

Von Andreas C. Müller

  • Die Fälle häufen sich im Aargau: Falsche Polizisten fordern ältere Menschen dazu auf, Ihr Geld zu übergeben, um nicht Opfer eines Betrugs zu werden.
  • Im Rahmen ihrer Präventionsanstrengungen bat die Kantonspolizei auch Horizonte um Mithilfe.

Kommentar
von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Dass die Kantonspolizei bei ihren Bestrebungen, Betrug zu verhüten, auch die kirchlichen Medien kontaktiert, zeugt von grossem Sachverstand. In der Abteilung Kriminalpräventation Aargau hat man erkannt, dass im kirchlichen Milieu viele ältere Menschen präsent sind. Diese sind besonders gefährdet, denn Betrüger haben es mit Vorliebe auf Seniorinnen und Senioren abgesehen. Bleibt zu hoffen, dass auch Seelsorgepersonal und diakonisch engagierte Personen auf diesem Weg sensibilisiert werden und ein Auge auf ältere Menschen haben. Denn wie es Andreas Conrad sagt: Betrüger sind gerissen und schaffen es nicht selten, auch kluge Köpfe hinters Licht zu führen. Der finanzielle Schaden bei einem Betrug kann gerade für ältere Menschen schnell einmal existenzbedrohend sein. In diesem Sinne unterstützen Horizonte als auch «reformiert.» die Aufklärungskampagne der Aargauer Kantonspolizei.

Herr Conrad, Sie arbeiten bei der Kantonspolizei Aargau im Bereich Prävention. Was für ein Betrugsphänomen grassiert zur Zeit bei uns?
Andreas Conrad: Telefonbetrüger mit verschiedensten Maschen, aktuell vor allem solche, die sich als Polizisten ausgeben. Diese sind zu einer wahren Landplage geworden. Obwohl die meisten Betroffenen den Schwindel durchschauen, fordert die Masche immer wieder Opfer.

Wie kann man denn am Telefon zweifelsfrei Betrüger von echten Polizisten unterscheiden?
Vielfach unterlaufen den falschen Polizisten Fehler: Es meldet sich die Kantonspolizei Basel, Sie wohnen aber im Aargau. Die falsche Polizei ruft zudem oft mit einer ausländischen Telefonnummer an. Und die falschen Polizisten sprechen vielfach hochdeutsch oder mit Akzent. Die grosse Mehrheit der Polizisten im Aargau spricht schweizerdeutsch.

Und wenn man am Telefon doch unsicher ist?
Es kann nie falsch sein, wenn Sie nach einem Telefongespräch unsere Polizeinummer 117 wählen und nachfragen, ob wir mit Ihnen vor wenigen Augenblicken gesprochen haben. Auf keinen Fall aber auf die angegebenen Nummern der falschen Polizisten zurückrufen.

Im aktuell beschriebenen Fall trachteten Verbrecher nach dem Vermögen der kontaktierten Person, indem sie warnten, das Geld sei nicht einmal auf der Bank sicher, weil es dort Komplizen gebe. Hand aufs Herz: Das klingt wirklich abenteuerlich. Und doch glauben gewisse Menschen so etwas. Wie erklären Sie sich das?
Die Polizei hat in der Schweiz eben eine hohe Glaubwürdigkeit bei der Bevölkerung. Deswegen ist uns diese Betrugsmasche ja auch ein Dorn im Auge.

Aber das kann ja nicht allein der Grund sein
Wir stellen immer wieder fest, dass die Betrüger sehr raffiniert vorgehen und sehr überzeugend sind. Die Täterschaft kennt kein Pardon und sie hat keine Skrupel, seriöse Bankinstitute in verunglimpfender Art und Weise zu nennen – und sei es noch so unglaubwürdig. Es liegt also nicht an mangelnder Intelligenz der Opfer. Es kann jedem passieren, auf die Betrugsmaschen reinzufallen.

In einer Medienmitteilung haben Sie erklärt, solche Betrugsversuche beträfen täglich «unzählige Argauerinnen und Aargauer». Was heisst das in Zahlen?
Vom 1. Januar bis zum 17. Februar 2021 wurden uns circa 100 Delikte, die im Zusammenhang mit dem Telefonbetrug stehen, gemeldet. Diese Anzahl ist erschrecken hoch.

Die Polizeibetrüger haben es gezielt auf ältere Menschen abgesehen. Wir wissen: Ältere Menschen sind nicht selten noch der Kirche verbunden. Hat die Kantonspolizei Ihre Medienmitteilung auch an Kirchgemeinden verschickt?
Wir informieren bereits heute in den Kirchgemeinden. Wir werden in Zukunft aber bestimmt unser Bestreben verstärken und die Kirchgemeinden noch stärker in unsere Aufklärungsarbeit miteinbeziehen.

Gegenüber den Medien haben Sie bereits erklärt, dass die Polizei niemals Geld oder Sachwerte einfordert. Aber ist es nicht so, dass Polizeibeamte Gegenstände wie Waffen oder Automobile unter Angabe eines Straftatbestandes oder Verdachtsmoments beschlagnahmen? Könnten so nicht auch Betrüger handeln?
Hier dürfen wir unterschiedliche Anlasssituationen nicht miteinander vermischen. Die Polizei stellt im Rahmen von Strafverfahren Beweismittel, also auch Geld oder Sachwerte, zuhanden der Untersuchungsbehörden sicher. Im Rahmen der Gefahrenabwehr können auch polizeiliche Sicherstellungen getätigt werden. Aber den Einzug von Geld oder Sachwerten, um diese temporär als Schutz vor Betrügern und Einbrechern aufzubewahren, gibt es nie.

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