Thomas A. Friedrich |©Roger Wehrli

Cantars – Kirchenklangfest 2015

Marie-Christine Andres Schürch, 30.1.15

Eine ungewöhnliche Chorprobe! Zwischen einzelnen Songpassagen macht der Chorleiter Werbung für Bonbons, preist die Vielseitigkeit eines trendy Rucksacks und erklärt, wie man einen Autoaufkleber fachgerecht an der Heckscheibe anbringt. Aussergewöhnliche Vorhaben erfordern schliesslich überdurchschnittlichen Einsatz.

Chorprobe des Gospelchors «The Spirits» in Oberrohrdorf. Thomas A. Friedrich steht von seinem Klavierstuhl auf und schüttelt eine knallpinke Bonbon-Schachtel: «Kleiner Werbespot zwischendurch!», verkündet er. Neben ihm auf einem Tisch stehen liebevoll arrangiert weitere Präsente in pink. Weinflaschen, Tee, Rucksäcke und Bonbons tragen alle denselben Aufdruck: «Cantars».

36 Tage voller Musik
In sechs Wochen startet mit dem Kirchenklangfest cantars ein Kulturevent, wie ihn die Schweiz bisher nicht erlebt hat. Rund 8000 Laien in Chören, Orchestern, Ensembles, 2000 Profis sowie 2000 Kinder und Jugendliche engagieren sich organisatorisch und musikalisch. In 13 Kantonen finden zwischen dem 14. März und dem 7. Juni Konzerte, Kabarett, Lesungen und vieles mehr statt. Auf dem Programm stehen insgesamt rund 440 Veranstaltungen an 36 Tagen in den Kantonen Aargau, Basel, Bern, Freiburg, Graubünden, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Wallis und Zürich. Finanziert wird das Kirchenklangfest durch Beiträge der Kirchen, durch Sponsoren und Gönner, aber auch aus eigenen Mitteln der Veranstalter aus Ticketverkauf und Teilnehmerbeiträgen sowie den Einnahmen aus dem Verkauf der Fan-Artikel. Wenn Thomas A. Friedrichs Werbeeinlagen also Wirkung zeigen, nützt das cantars ganz direkt.

Mitsing-Projekt für vier Konzerte
Der Name des Kirchenklangfests «cantars» ist zusammengesetzt aus den lateinischen Wörtern «cantare» (singen) und «ars» (Kunst). «Singkunst», sagt Thomas A. Friedrich und setzt sich wieder ans Klavier. Rund um ihn haben an diesem Abend fast 40 Sängerinnen und Sänger Platz genommen. Aus 21 festen Mitgliedern besteht der Gospelchor «The Spirits» gewöhnlich, seit Mitte Januar hat sich die Sängerzahl jedoch mehr als verdoppelt. Etwa 30 Sängerinnen und Sänger sind dem Aufruf zu einer Schnupperprobe gefolgt und haben sich zur Teilnahme am Mitsing-Projekt «Irish Gospel & Dance» entschieden. Zehn Proben und vier Konzerte lang sind sie nun Teil des Gospelchors «The Spirits».

Eröffnung des Gospel specials in Baden
Das zusätzliche Stimmvolumen wird der Chor brauchen können. Gleich beim ersten Konzert gilt es nämlich, die Trafo-Halle in Baden zu füllen. Chorleiter Thomas A. Friedrich hat die Hauptleitung des cantars-Spezialtages «Gospel special» vom 9. Mai 2015 in Baden inne. Zusammen mit einer irischen Band und der irischen Tanzgruppe Rhythm’n’steps aus Baden gestaltet sein Chor den klingenden Auftakt zu diesem Tag voller Gospelmusik. Der vielseitige Kirchenmusiker war schon bei der ersten Ausgabe von cantars im Jahr 2011 dabei. Ein Teil seines Chors arbeitet im regionalen Organisationskomitee mit. Die Präsidentin der «Spirits», Annette Skuljan, verdeutlicht die Dimension des Kirchenklangfests 2015: «Eigentlich Wahnsinn: 36 Konzerttage und 36 OKs, für jeden Tag eines. Und jemand muss dabei noch die Gesamtübersicht behalten.» Über den 36 lokalen Organisationskomitees steht ein gesamtschweizerisches Organisationskomitee.

Gänsehaut garantiert
Von Anfang an war beim Gospelchor aus Oberrohrdorf der Wunsch vorhanden, für den Cantars-Auftritt mit einer Tanzgruppe zusammen zu arbeiten. Auf die Idee, irische Volksmusik mit Gospelklängen verschmelzen zu lassen, kam der Chor durch den Kontakt mit der irischen Tanzgruppe «Rhythm’n’steps» aus Baden. Die Mischung aus Irish Folk und Gospel klingt bereits am dritten Probeabend so berührend, dass Zuhörer Gänsehaut bekommen. «Das passiert mir aber auch beim Singen», gesteht eine Sängerin, die seit drei Wochen dabei ist, «Es ist einfach bewegende Musik.»

Üben mit der Audiodatei
Susan Zeiter aus Oberrohrdorf ist durch ein Inserat im Lokalblatt auf das Mitsing-Projekt aufmerksam geworden: «Ich finde es schön, im eigenen Dorf so etwas machen zu können und dabei auch mal neue Leute zu treffen.» Eine andere Sängerin ist auf Anregung einer Arbeitskollegin zum Chor gestossen: «Es ist lange her, seit ich in einem Chor dabei war, ich merke aber, dass mir das Singen immer noch Freude macht.» Zu jedem Stück erhalten die Chormitglieder eine Audiodatei, auf der sie jede Stimme einzeln hören können. «Ja, ich übe zu Hause, damit ich in den Proben besser mitkomme», verrät eine der Projektsängerinnen. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu, dass sie sich dafür jeweils in ihrem Büro einschliesse.

Kinderchöre, Slam-Poeten, Laien und Profis
So wie «The Spirits» bereiten sich in der ganzen Schweiz Laien und Profis, Vokalensembles, Kirchenchöre, Konzertchöre, Instrumentalensembles, Kinderchöre, Autoren, Gospelchöre, Slam-Poeten, Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker, Kunst- und Kulturschaffende auf ihren Auftritt vor. Hinter ihnen stehen gegen 50 kirchenmusikalische und kirchliche Verbände, Organisationen und Institutionen. Sie sind lokal an den 36 Veranstaltungsorten für das Programm und die Durchführung verantwortlich. Alles in allem sind 12’000 Mitwirkende, davon 2’000 Kinder und Jugendliche, an der Arbeit, cantars zu einem Erfolg zu machen. Erwartet werden gegen 100‘000 Besucherinnen und Besucher.

Erweiterte Reprise von 2011
cantars findet nicht zum ersten Mal statt. Bereits 2011 wurde das Festival in neun Kantonen und an 242 Veranstaltungen durchgeführt, damals aus Anlass des 125-jährigen Bestehens des Kirchenmusikverbands des Bistums Basel. cantars 2011 lockte 60‘000 Besucherinnen und Besucher an. Hinter cantars 2015 stehen alle drei Landeskirchen, organisieren mit und präsentieren ihr kulturelles Schaffen. Zudem gibt es interreligiöse Zusammenarbeit an einzelnen Anlässen oder am Spezialitätentag «World Religions» in Olten. Gesamt-Veranstalter ist der Schweizerische Katholische Kirchenmusikverband SKMV in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Kirchengesangsbund SKGB. Ein Patronat mit prominenten Botschafterinnen und Botschaftern sorgt für die breite Abstützung von cantars 2015. Unter ihnen finden sich zum Beispiel Bundesrat Alain Berset, Bischof Markus Büchel und die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer Wyss. Pascale Bruderer wird am «Gospel special» vom 9. Mai im Kultur- und Kongresszentrum Trafo die offizielle Eröffnungsrede halten. Gleich nach ihrer Begrüssung werden «The Spirits» ihren grossen Auftritt haben.   Marie-Christine Andres / mgt

 

440 Veranstaltungen bis am 7. Juni 2015
Von Mitte März bis anfangs Juni 2015 finden in den Kantonen AG, BE, BS/BL, FR, GR, LU, SG, SH, SO, SZ, TG, VS und ZH 36 kirchenmusikalische und kirchenkulturelle Konzerttage statt, welche jeweils 12 Stunden (12-24 Uhr) am Stück dauern. Es erklingen pro Anlass 12 sakrale Kurzkonzerte, Lesungen, Feiern, Theateraufführungen usw. von maximal 40 Minuten Dauer, Beginn jeweils zur vollen Stunde. cantars im Aargau: Baden: 25. April, 12 bis 23 Uhr, diverse Aufführungen. 9. Mai, 11.45 bis 23 Uhr, Gospel special. Brugg: 16. Mai, 12 bis 23 Uhr, diverse Aufführungen. Muri: 30. Mai, Alte Musik.   www.cantars.org

Übersicht Baden, 25. April 2015

Übersicht Baden, Gospel special, 9. Mai 2015

Übersicht Brugg, 16. Mai 2015

Übersicht Muri, 30. Mai 2015

Tickets gibt es ab Mitte Februar hier

 

 


 

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