Der Verbrauch von Palmöl in den Industrieländern steht seit Längerem in der Kritik. In der Schweiz mahnen unter anderem die christlichen Hilfswerke wie Fastenopfer eine Reduktion des Palmölverbauchs an. Nun reagieren die Grossverteiler. | © Brot für alle

Coop, Migros, Aldi und Lidl und das umstrittene Palmöl

Georges Scherrer, kath.ch, 9.7.18
  • Der Grossverteiler Coop reduziert die Verwendung von Palmöl. Das meldeten Fastenopfer, Brot für alle und Pro Natura diese Woche. Auch bei Migros, Aldi und Lidl ist man sich des Problems des genannten Öls bewusst und sucht, so es geht, nach Lösungen.
  • Die erwähnten NGOs verbuchen die Reaktionen der Schweizer Grossverteiler als Etappensieg bei ihrem Einsatz gegen Landraub und Umweltzerstörung.

 

Aufmerksam auf das Problem von Palmöl, zu dessen Produktion ganze Regenwälder abgeholzt würden, machten die Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle in Zusammenarbeit mit Pro Natura im vergangenen Herbst. Sie forderten in einer Petition, dass die Schweizer Grossverteiler weniger Produkte mit Palmöl in ihren Läden anbieten. Anfang Juli gab der Grossverteiler Coop bekannt, er werde die Benutzung von Palmöl reduzieren. Interessant ist nun, wie weitere Grossverteiler reagieren.

Migros will Verbesserung des Anbaustandards

Die Migros überprüfe laufend ihre Rezepturen, um zu analysieren, welches Fett am sinnvollsten sei, erklärte die Medienstelle des Unternehmens am Freitag auf Anfrage. Wenn es sinnvoll und machbar sei, werde Palmöl ersetzt. Das sei etwa bei den Pommes frites der Fall.

Aus der Sicht des Unternehmens ist Palmöl «allerdings fünf- bis zehnmal produktiver als andere Pflanzenöle und benötigt deshalb wesentlich weniger Fläche». Palmöl sei auch das einzige Öl aus den tropischen Regionen, «für das überhaupt Anbaustandards vorhanden sind».

Das Ausweichen auf andere Öle sei deshalb für die Migros «keine dauerhafte Lösung, denn die kritisierten Umweltprobleme würden damit lediglich auf andere Öle übertragen werden». Der einzige sinnvolle Weg sei die kontinuierliche Verbesserung des Anbaustandards für Ölpalmen.

Aldi setzt auf «nachhaltigen Einkauf»…

Der Grossverteiler Aldi teilte am Freitag auf Anfrage mit, im Lebensmittelbereich würden Palmöl respektive dessen Fraktionen aufgrund der besonderen chemischen und sensorischen Eigenschaften eingesetzt. Es handle sich um ein naturhartes Fett, das sich aufgrund seines spezifischen Schmelzverhaltens ideal als Konsistenz- und Strukturgeber eigne, beispielsweise in Margarine und Streichcremes.

Da Palmöl durch seine positiven Eigenschaften und die hohe Flächenproduktivität nicht gänzlich durch andere Öle ersetzt werden könne, stelle Aldi über seine Einkaufspolitik den nachhaltigen Einkauf von Palmöl sicher.

… und zieht im Herbst nach

Weil die tropischen Anbaugebiete der Ölpalme «besonders sensible Lebensräume» darstellten, verfolge das Unternehmen das Ziel, Palmbestandteile in den Eigenmarkenprodukten, wo sinnvoll, kontinuierlich zu reduzieren. Dabei sollten diese möglichst durch alternative heimische Öle ersetzt werden. Zwei Bio-Eigenmarkenprodukte sollen so bald wie möglich, spätestens ab Ende 2018, frei von Palmbestandteilen sein, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Für Produkte, bei denen Palmbestandteile nicht auf Anhieb substituierbar seien, würden die Umweltziele zur RSPO-Zertifizierung berücksichtigt. Hundert Prozent des in den Food-Produkten von Aldi eingesetzten Palmöls seien nach den Standards des «Round Table on Sustainable Palmoil» (RSPO) zertifiziert.

Als Mitglied des RSPO befasse sich das Unternehmen zusammen mit anerkannten NGOs sowie anderen wesentlichen Partnern mit der Weiterentwicklung der RSPO-Mindeststandards und engagiere sich für Projekte in Ursprungsländern. Durch die Unterstützung eines Kleinbauernprojekts, welches sich auf den Schutz natürlicher Wälder und auf umweltfreundliche Anbaumethoden konzentriere, setze sich Aldi Süd zudem für einen nachhaltigen Palmöl-Anbau ein, erklärte das Unternehmen.

Lidl macht sich für eine Branchenlösung stark

Auch bei Lidl-Schweiz laufen Bemühungen, Palmöl durch andere Öle zu ersetzen. Dies sei etwa bei der Lidl-Hausmarke der Cornflakes erfolgt, heisst es in einer Stellungnahme. Dies solle auch bei anderen Produkten erfolgen. Allerdings wird von Lidl darauf hingewiesen, dass eine Umstellung auf die Verwendung anderer pflanzlichen Öle eine viel grössere Anbaufläche benötigt würde. Das Unternehmen bezieht sich auf eine Studie, die zeigt, dass der Ersatz von Palmöl den Verlust der Biodiversität nicht stoppen, sondern nur verlagern würde.

Grundsätzlich richtet sich auch Lidl am RPSO-Standard aus. Das Unternehmen befürwortet es laut Stellungnahme zudem, dass sich die «Palm Oil Innovation Group» (POIG) für eine Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung dieses Standards einsetze. Lidl-Schweiz hebt in seiner Stellungnahme auch hervor, dass man in dieser Frage «um Wirkung mit grosser Breite zu erreichen» eine Branchenlösung anstreben müsse. Der Nachhaltigkeitsstandard RSPO, auf den sich Aldi und Lidl beziehen, löst aus Sicht der Hilfswerke und von Pro Natura die Probleme im Palmölanbau jedoch «nicht zufriedenstellend».

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