Am 25. März 2018 feiert die katholische Kirche den Palmsonntag. An diesem Tag wird des Einzugs Jesu nach Jerusalem gedacht. Das Palmenbinden und die Segnung der Palmen und Palmzweige ist ein lebendiger und weit verbreiteter Brauch. | © Eveline Amherd

Ein Brauch zum Anpacken

Marie-Christine Andres Schürch, 14.3.18
  • Am Sonntag, 25. März 2018 beginnt mit dem Palmsonntag die Karwoche.
  • Die Palmsonntagsfeier erinnert an den Einzug Jesu nach Jerusalem.
  • Das Palmenbinden und die Segnung der Palmen und Palmzweige sind lebendiges und weit verbreitetes Brauchtum.

 

Am 25. März 2018 feiert die katholische Kirche den Palmsonntag. An diesem Tag wird des Einzugs Jesu nach Jerusalem gedacht. Alle vier Evangelisten berichten, wie Jesus mit seinen Jüngern vor dem jüdischen Pessach-Fest (auch «Passah-» oder «Pascha-Fest») nach Jerusalem kam. Auf einem Esel ritt er in die Stadt und als die Menschen ihn kommen sahen, breiteten sie ihre Kleider vor ihm aus und streuten Palmzweige auf den Weg. Sie jubelten ihm zu: «Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.»

Säge, Ahle und Zange

Schon im 8. Jahrhundert entstanden Palmprozessionen, auf denen manchmal auch eine Christusfigur auf einem lebendigen oder hölzernen Esel mitgeführt wurde. Einige Gemeinden kennen diese Prozessionen bis heute. Bei uns bis heute stärker verbreitet sind der Brauch des Palmbindens und die Palmweihe. Das Palmbinden ist ein Brauch zum Anpacken. Säge, Gertel, Ahle und Zange braucht es dafür. Dazu Äpfel und Orangen, mancherorts auch Zitronen, farbige Bänder und einen beachtlichen Haufen Grünzeug. In vielen Pfarreien suchen Kinder, Leiterinnen und Leiter von Jungwacht Blauring das benötigte Material in den Gärten zusammen. Oft helfen aber auch andere Pfarreiangehörige beim Sammeln mit. Vor manchem Kirchgemeindehaus dürfte deshalb in den kommenden Tagen ein wachsender Berg von geschnittenem Buchs oder Thuja, Stechpalmenzweigen, Kirschlorbeer, Haselruten oder Efeuranken gesichtet werden. 

Teamwork in der Pfarrei

Ein grosser Teil der Aargauer Kirchgemeinden segnet am Palmsonntag selber gebundene Palmen. Meist findet das Palmbinden am Samstagnachmittag statt und häufig engagieren sich dafür die Erstkommunikanten und ihre Eltern oder Jungwacht Blauring. Ob auf dem Alten Friedhof, im Pfarrhausgarten oder vor dem Kirchgemeindehaus: Palmbinden braucht Platz, viel Material und mehrere Stunden Zeit. Dieser Brauch fordert – vom Grünzeugsammeln bis zum Aufstellen der Palmen in der Kirche – Teamarbeit in der Pfarrei. 

Traditionelles Brauchtum

Für traditionelle Palmbäume nimmt man den geschälten Stamm einer kleinen Tanne. Zuoberst lässt man die Äste stehen oder bindet ein Kreuz. An den Stamm hängt man einen oder mehrere Drahtringe, bestückt mit Stechpalmenblättern und Äpfeln. Die Ringe symbolisieren Ewigkeit und Verbundenheit. Die Äpfel stehen symbolisch fürs Leben. Der Palmbaum wird mit roten oder violetten Bändern verziert. Am Palmsonntag segnet der Zelebrant die Palmen vor der Kirche, dann werden sie in einer kleinen Prozession oder einem feierlichen Einzug in die Kirche getragen. Nach dem Palmsonntag stellen die Palmenbesitzer ihre Palme im Garten auf. 

Der Jubel schlägt um

Der umjubelte Einzug in Jerusalem markiert zugleich den Beginn von Jesu Leiden. So erklärt Gunda Brüske vom liturgischen Institut der deutschsprachigen Schweiz: «Wenn die Palmprozession im heutigen Gottesdienst die Schwelle zum Kirchenraum überschreitet, ändert sich bald die Stimmungslage der Liturgie: Vom Tagesgebet an steht das Leiden Jesu im Mittelpunkt.» Die rote Farbe der liturgischen Gewänder zeigt, dass schon im triumphalen Einzug Jesu Leiden und sein vergossenes Blut gegenwärtig sind. In der Feier des Palmsonntag liegt eine Spannung zwischen der Verehrung Christi als Messias einerseits und seinem Leiden und Sterben andererseits.

Asche aus Palmzweigen für den Aschermittwoch

Neben den grossen Palmen werden am Palmsonntag auch kleine Sträusse aus Buchs, Thuja, Stechpalmen, Lorbeer oder ähnlichem gesegnet. Diesen Zweigen wurde früher eine schützende Wirkung zugesprochen. Deshalb hat man sie in Wohnräumen hinter das Kruzifix gesteckt oder im Stall aufgehängt. Im Osterfeuer der Osternacht werden nach katholischem Brauch die Palmzweige vom vorhergehenden Jahr verbrannt. Die daraus entstandene Asche bewahrt man für den Aschermittwoch im folgenden Jahr auf. Gemäss diesem Brauch stammte die Asche für das Aschermittwochsritual 2018 also von den Palmzweigen aus dem Jahr 2016.

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