Im Senegal kämpfen Kleinbauern gegen Saatgut von internationalen Konzernen. | © Fastenopfer

Fastenkampagne 2020 – Gemeinsam für nachhaltige Landwirtschaft

Andreas C. Müller / Fastenopfer, 3.2.20
  • Seit 50 Jahren engagiert sich das christliche Hilfswerk Fastenopfer zusammen mit seinen Partnern für eine gerechtere Welt. So auch wieder im Rahmen der aktuellen Ökumenischen Kampagne, die dieses Jahr vom 26. Februar bis 12. April läuft.
  • Im Fokus der Ökumenischen Kampagne 2020 stehen die Kleinbauern im Süden und die Gefährdung ihrer Existenz durch Saatgutkonzerne und internationale Abkommen.

 

Kleinbauernfamilien sorgen mit traditionellen Pflanzensorten für Ernährungssicherheit und Artenvielfalt. Sie passen ihre Züchtungen ans lokale Klima und den Klimawandel an, tauschen, vervielfältigen und verkaufen sie. 70 Prozent aller Nahrungsmittel werden so weltweit von ihnen produziert. Ein Erfolgsmodell. Und doch bestimmen zunehmend Agrarkonzerne, was angebaut wird.

Kleinbauern: Saatgutzwang

Strikte Saatgut- und Sortenschutzgesetze haben in vielen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens zur Folge, dass Kleinbauernfamilien zwingend industrielles Saatgut grosser Konzerne kaufen müssen. Ebendiese internationalen Saatgutkonzerne orientieren sich an grossflächiger Landwirtschaft und setzen auf wenige Sorten mit grösstem Gewinn. Darunter leidet die Artenvielfalt.

Ein philippinischer Reisbauer auf der Insel Mindanao kommentiert diese Entwicklung wie folgt: «Unsere 12’000 Jahre alte Erfahrung in Pflanzenzüchtung und unsere Biodiversität sind von Zerstörung bedroht, weil sich das industrielle Saatgut der Konzerne ausbreitet. Es ist schmerzhaft und entwürdigend, dass unsere Züchtungen nicht als Beitrag zur Ernährungssicherung und Biodiversität anerkannt werden.»

Dünger und Pestizide: Eine Armutsfalle für Kleinbauern

Es zeigt sich überdies, dass das industrielle Saatgut schlecht an lokale Bedingungen angepasst ist – hungrig nach Dünger und anfällig für Schädlinge. Zum Saatgut müssen also Pestizide und Dünger hinzugekauft werden. In der Folge verschulden sich viele Kleinbäuerinnen und -bauern und geraten in Armut.

Die Ökumenische Kampagne 2020 macht mit dem Slogan «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» auf die erwähnten Missstände aufmerksam – und zeigt auch Grund zur Hoffnung: In Guatemala wurde ein strenges Sortenschutzgesetz, das «Ley Monsanto», vorerst abgewendet. Auf den Philippinen engagiert sich ein Saatgutnetzwerk für bäuerliche Saatgutzüchtungen und gegen restriktive Sortenschutzgesetze. Im südlichen Afrika setzen sich Landfrauenbewegungen gegen Gen-Mais und für agrarökologische und ressourcenschonende Anbaumethoden ein. Auch mit Hilfe von Fastenopfer und ihrer lokalen Partnerorganisationen konnten viele dieser Prozesse aufgebaut und durchgeführt werden.

Kampf gegen Freihandelsabkommen

Derzeit verhandelt die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit Malaysia. Darin ist ein Passus aufgeführt, der das traditionelle Saatgutsystem von malaysischen Bäuerinnen und Bauern bedroht. Für Fastenopfer und seine Partnerhilfswerke ist das inakzeptabel. Mit Solidaritätsbriefen ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) fordert Fastenopfer mit seinen Partnerorganisationen aus dem Süden, dass dieser Abschnitt im Freihandelsabkommen herausgenommen wird. Ebenso rufen sie Pfarreien und Kirchgemeinden auf, einen solchen Brief zu schreiben. Wenn Hunger und Armut verhindert oder reduziert werden sollen, müssen kleinbäuerliche und klimafreundliche Anbaumodelle gestärkt werden – im globalen Süden, wie auch hier, in der Schweiz.

 

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