«Die Situation ist mit Ausbruch der Corona-Pandemie für Menschen mit einer Hörbehinderung sehr schwierig geworden», weiss Gehörlosenseelsorgerin Anita Kohler. Umso mehr schätzt sie die Möglichkeit, am Samstag einen Osternachtsgottesdienst in Gebärdensprache feiern zu können. | zvg

Osterfeier mit Gehörlosenseelsorgerin

Andreas C. Müller, 10.4.20
  • Horizonte zeigt ab Karsamstag um 22 Uhr auf seiner Webseite eine Osternachtsfeier mit Übersetzung in Gebärdensprache. Die Messe feiern die beiden Pfarrer Beda Baumgartner und Mario Hübscher (Erlinsbach und Olten), zusammen mit der Gehörlosenseelsorgerin Anita Kohler.
  • Was erwartet das Publikum in der knapp einstündigen Aufzeichnung? Beda Baumgartner und Anita Kohler geben Auskunft im Interview.

 

Herr Baumgartner: Wie wichtig sind übers Internet abrufbare Gottesdienste zur gegenwärtigen Zeit?
Beda Baumgartner: Bei Telefongesprächen stelle ich fest, wie viele Menschen die Angebote von Gottesdiensten über Fernsehen und Internet nutzen. Sie drücken mir aus, dass diese Gottesdienste ihnen in der aktuellen Situation Kraft geben.

Frau Kohler: Wie geht es Menschen mit einer Hörbehinderung mit den infolge der Corona-Pandemie verfügten Einschränkungen?
Anita Kohler:
Für die Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung sind Treffen und Austausch in Gebärdensprache ganz zentral. Viele empfinden die Ausnahmesituation als Kommunikationseinschränkung. Ein Beispiel: Die ersten Pressekonferenzen des Bundes fanden ohne Gebärdensprachdolmetscherin statt.

Herr Baumgartner: Dass mit Frau Kohler eine Gehörlosenseelsorgerin den Gottesdienst mitfeiert, ist für Sie sicher auch nicht alltäglich.
Beda Baumgartner: Frau Kohler wird einzelne Teile der Feier selber übernehmen, andere für die Gehörlosen in Gebärdensprache übersetzen. Sie trägt dazu bei, dass der Gottesdienst nicht zu wortlastig wird, sondern Zeichen zum Zuge kommen: Beispielsweise das Osterfeuer, das Endzünden der Osterkerze. Wir werden viel in Bildern sprechen und möglichst einfach reden.

Frau Kohler: Was bedeutet die Möglichkeit, am Samstag einen Gottesdienst mitzufeiern, der hernach online abrufbar ist, für die Gemeinde der Menschen mit Hörbehinderung.
Anita Kohler:
Das bedeutet extrem viel! Von vielen kirchlichen Angeboten, die momentan online gehen, sind die hörbeeinträchtigten Menschen durch fehlende Untertitelung oder Übertragung in Gebärdensprache abgeschnitten.

Frau Kohler: Welche Möglichkeiten haben Sie seit dem «Lockdowon» noch, Gehörlose zu erreichen?
Anita Kohler:
Seelsorge lebt neben dem Wort auch vom Ausdruck, der Mimik und dem Gefühl. Über Medien ist das viel schwieriger zu verstehen. Es braucht ein enorm gesteigertes Mass an Sensibilität und eine ganz hohe Bereitschaft und Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen.

Wie gut können Sie das ausschöpfen?
Eigentlich ganz gut, aber: Es bleibt der kleine Stachel in der Seele, nicht so wie gewohnt für die Menschen als Seelsorgerin da sein zu können.

 

 

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