12 Frauen durften am 13. Dezember in Aarau zum Abschluss ihrer mehrjährigen Ausbildung den Fachausweis Katechese entgegen nehmen. | © Werner Rolli

Katechese ist «lebenslanges Glaubenlernen»

Andreas C. Müller, 18.12.19
  • Am Freitag, 13. Dezember, konnten zwölf Frauen der ökumenischen Katechese-Ausbildung «ModulAar» ihre Fachausweise in Empfang nehmen.
  • Mit Lebenserfahrung und Aktualitätsbezug versuchen die Katechetinnen heute die Kinder und Jugendlichen für Religion zu begeistern. Eine Herausforderung in Anbetracht der Tatsache, dass der Religionsunterricht immer stärker aus den Schulen in die Freizeit gedrängt wird.

 

Jedes Jahr im Dezember erhalten reformierte und katholische Katechetinnen ihren Fachausweis nach bestandener Abschlussprüfung. Dieses Jahr geht für acht katholische und vier reformierte Frauen die rund vierjährige Ausbildungszeit zu Ende. Die Feier fand im Beisein von gut 90 Angehörigen und Interessierten im Aarauer Bullingerhaus statt.

Sowohl Lichtblicke als auch «Nachtschichten» begleiteten die Absolventinnen durch die Ausbildung, wie an der Feier betont wurde. Auch die Familie habe teils Abstriche machen müssen. Gerade solche «Durststrecken» wolle man im Rahmen der Abschlussfeier würdigen, erklärte Dorothee Fischer als Vertreterin des Kirchenrates der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau.

Der Fachausweis: «Bestätigung für den richtigen Weg»

«Das Diplom ist eine Bestätigung, dass ich den richtigen Weg gegangen bin», erklärt Mavis Clarisse, eine der Absolventinnen. «Wenn ich es nicht geschafft hätte, würde ich zweifeln, ob ich das Richtige tue», meint die Katechetin aus Dättwil bei Baden, die im Pastoralraum Aare-Rhein in den Gemeinden Döttingen, Klingnau, Leibstadt und Leuggern in einem 60-Prozent-Pensum unterrichtet.

Die modulare Ausbildung vermittelt neben dem Erwerb theologischer und biblischer Grundlagen auch Kompetenzen im Planen, Durchführen und Reflektieren von Religionsunterricht. Die Fächerpalette ist vielfältig und beinhaltet zudem Sakramenten-Hinführung (zu Erstkommunion, Abendmahl und Firmung), Liturgiegestaltung und Erwachsenarbeit.

Katechese ist «Religion buchstabieren und Glauben feiern»

In jedem Fall geht für die Katechetinnen mit dem Erhalt des Fachausweises eine intensive Lernzeit zu Ende. Die Zeit fordere jeweils ein beachtliches Mass an Engagement neben beruflicher Tätigkeit, ebenso Achtsamkeit im Umgang mit persönlichen Ressourcen und Lernfreude. Und laut Claudia Rüegsegger, Ausbildungsleiterin im ökumenischen Bildungsgang «ModulAar» ist der Weg mit der Diplomierung lange noch nicht abgeschlossen. Katechese verstehe sich als lebenslanges Glauben lernen, als ein «Religion buchstabieren und Glauben feiern», als ein Unterwegs sein auf den Spuren Jesu in der Welt von heute an den Lernorten Schule und Kirchgemeinde.

Was gefällt den Frauen an der anspruchsvollen Aufgabe, Kindern Glaubensinhalte zu vermitteln? «Mir macht es Freude, Kindern ohne schulischen Druck etwas zu vermitteln», erklärt Nadine Brauchli Weiss aus Gipf-Oberfrick. Und dass sie auch konfessionslose Kinder erreiche, ergänzt die frisch Diplomierte. Ihr Unterricht sei zwar konfessionell, doch es kämen auch jene, die weder katholisch noch reformiert seien. «Wenn der Unterricht einen guten Ruf hat, schicken auch kirchenferne Eltern ihre Kinder gerne».

Studierende: Stagnierende, leicht rückläufige Zahlen

Für die meisten vor Ort macht die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen die Hauptmotivation für ihrem Beruf aus. Andere wiederum betonen, wie sehr sie es schätzen, einen Beruf ausüben zu dürfen, in welchem der Glaube eine zentrale Rolle spiele.

Rund 50 Personen stehen aktuell an verschiedenen Orten der rund vier Jahre dauernden Katechese-Ausbildung, erklärt Claudia Rüegsegger. Die Zahl der Absolventinnen stagniert seit ein paar Jahren, nimmt laut ihrer Einschätzung bei den Reformierten sogar leicht ab. «Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Religionsunterricht an den Schulen immer mehr an den Rand gedrängt und in die Freizeit verlegt werden muss». Regula Wegmann als Vertreterin des Kirchenrates der Reformierten Landeskirche forderte denn auch in ihrem Grusswort an die Absolventinnen: «Wir müssen weiter dafür kämpfen, dass der Religionsunterricht nicht aus der Schule gedrängt wird».

Guter Unterricht braucht Lebenserfahrung

Spricht man mit den Absolventinnen, so ist das durchaus ein Thema. «Die Jugendlichen kommen mittlerweile in ihrer Freizeit an einem Mittwoch- oder Freitagabend. beziehungsweise an einem Samstagvormittag», so Mavis Clarisse. «Sie kommen, weil dies Voraussetzung für die Firmung ist. Ich versuche daher umso mehr, einen abwechslungsreichen Unterricht zu gestalten.»

Vielmehr beschäftigt die Absolventinnen allerdings, wie Kinder und Jugendliche für Religion zu begeistern sind. Auf die Frage, wie es gelingt, meint beispielsweise Irena Bobas-Ivanovic gegenüber Horizonte: «Indem ich ihnen ein Vorbild bin und die Verbindung zwischen biblischem Text und Alltag vorleben kann». Mit Lebenserfahrung könne man Kinder packen, ist die frisch diplomierte Katechetin aus Aristau überzeugt.

«Katechetisch Tätige müssen ihre Kompetenzen erweitern»

«Alles in allem sei die Ausbildung als Ganzes extrem bereichernd gewesen, auch für die persönliche Entwicklung», meint Nadine Brauchli Weiss. Das Wichtigste, das sie gelernt habe, bringt es Mavis Clarisse auf den Punkt, sei, dass Weniger mehr ist. «Das haben ganz viele Lehrer gesagt. Lieber bei etwas bleiben und das möglichst gut weitergeben.»

Für Claudia Rüegsegger ist klar, dass sich Religionsunterricht und die Ausbildung hierfür heutzutage innerhalb eines ganz anderen gesellschaftlichen Kontextes bewegt. Kinder und Jugendliche sind nicht mehr selbstverständlich kirchlich sozialisiert und beteiligen sich auch nicht mehr automatisch aktiv am Glaubensleben. Dem muss auch die Katechese-Ausbildung Rechnung tragen. Es sei darum umso wichtiger, so Claudia Rüegsegger, «dass katechetisch Tätige ihre Kompetenzen erweitern, um mit Veränderungen professionell umgehen zu können». Sie müssten sich reflektiert, prozessorientiert, teamfähig und authentisch den neuen Herausforderungen stellen. Nur so könnten sie lösungsorientiert auf die Bedürfnisse der ihnen anvertrauten Menschen eingehen und den Wandel in Gesellschaft und Kirche mitgestalten».

 

 

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