Simone Curau-Aepli ist seit einem Jahr Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds. Im Interview mit kath.ch blickt sie auf ihr erstes Amtsjahr zurück. | © SKF

«Katholisch» ist häufig mit negativen Bildern verbunden

Simone Curau-Aepli über ihr erstes Jahr an der Spitze des Frauenbunds

Marie-Christine Andres Schürch, 5.7.17

Simone Curau-Aepli steht seit einem Jahr an der Spitze des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF). Erst letzte Woche beschloss der Frauenbund zusammen mit anderen Frauendachverbänden die JA-Parole zur Rentenreform, weil diese dringend nötige Verbesserungen für die Frauen bringe. Im Interview mit kath.ch spricht die Präsidentin des grössten katholischen Verbands über die Herausforderungen der kommenden Jahre. 

Simone Curau-Aepli, Sie sind eine erfahrene Politikerin und Unternehmerin und sind entsprechend viele Termine gewohnt. Wie haben Sie das erste Jahr als SKF-Präsidentin erlebt?
Simone Curau-Aepli:
Sehr intensiv! Zur Führungsarbeit kamen sehr viele Kontakte innerhalb des SKF und viel Beziehungsarbeit über den Verband hinaus hinzu. In diesem ersten Jahr habe ich den Frauenbund als sehr reformorientierte Organisation erlebt.

Wo und wie zeigt sich das?
Die Aufgaben und Organisation des Frauenbundes sind von Kanton zu Kanton und sogar auf Gemeinde-, beziehungsweise Pfarreiebene sehr unterschiedlich. Ich stelle fest, dass die Vereine vor Ort sich und die von ihnen übernommenen Aufgaben kritisch beobachten, hinterfragen und sich entsprechend ausrichten. Gerade in den katholischen Gegenden sind Frauenverbände oft in soziale Aufgaben eingebunden. Hier ist in der Zusammenarbeit mit staatlichen, kirchlichen oder privaten Leistungsträgern viel Flexibilität gefragt.

Auch der Frauenbund muss sich, wie viele andere Vereine, mit der Frage der Überalterung seiner Mitglieder auseinandersetzen.
Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Altersgruppe der «Mittelalterlichen», also der 40- bis 60-Jährigen, ist sehr dynamisch und es gibt zwischen den Ortsvereinen grosse Unterschiede. Manchen gelingt es ausgezeichnet, auch junge Frauen anzusprechen, andere tun sich damit schwerer.

Was kann ein katholischer Frauenverein in der heutigen Zeit jungen Frauen bieten?
Wie gesagt: Das Wirken und damit auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit der Vereine vor Ort ist sehr unterschiedlich. Wie stellen fest, dass für viele junge Frauen die grossen Frauenthemen wie Gleichberechtigung oder Mutterschaftsschutz – für die sich die heute älteren Frauen mit grossem Engagement eingesetzt haben ­– ganz selbstverständlich sind. Kommen diese Frauen in die Familienphase, suchen sie vermehrt den Kontakt zu anderen Frauen und dann auch zu Frauenvereinen.

Hier bietet der Frauenbund vielerorts einen sicheren Wert, auch wenn es inzwischen viele Alternativen gibt. Viele SKF-Mitglieder haben dies erkannt und haben Angebote geschaffen, die jungen Frauen solche Vernetzungsmöglichkeiten bietet.

Und was ist das speziell katholische daran?
Das «K» im Namen hat eine bedeutende Tradition und bietet Identität und Raum für Spiritualität, die vielen Frauen sehr wichtig ist. Tatsache ist aber auch, dass das Wort «katholisch» heute für viele Frauen mit negativen Bildern verbunden ist. Der Druck von der Basis steigt, den Begriff «katholisch» aus dem Namen zu streichen.

Das ist für uns ein Dauerthema, das uns stark fordert. Es ist unsere Aufgabe zu zeigen, welche Antworten und Angebote das «katholisch», das der Frauenbund im Namen trägt, auch den Frauen in unserer Zeit bietet. Als Dachverband haben wir zudem die Aufgabe, für die Stellung, die Erfahrung und das Potenzial der Frauen innerhalb der Kirche einzutreten.

In der männlich geprägten Leitung der «K»-Kirche kommt die Haltung des Frauenbunds aber nicht immer gut an. Beispielsweise wenn Sie die Sprache in der katholischen Liturgie kritisieren.
Das ist für uns Frauen nichts Neues. Wir werden deshalb weiter darauf hinweisen und daraufhin arbeiten, dass das Göttliche und die Gottebenbildlichkeit des Menschen in Mann und Frau bestehen. Daran gilt es sich immer wieder zu erinnern.

 

Zur Person:
Simone Curau-Aepli (56) ist verheiratet und Mutter von vier Kindern. Die Marketingfachfrau hatte verschiedene politische Mandate für die CVP im Kanton Thurgau und auf nationaler Ebene inne. Sie ist Vizepräsidentin der eidgenössischen Kommission für Frauenfragen und Verwaltungsratspräsidentin der Curau AG in Weinfelden. Am 25. Mai 2016 übernahm sie von Rosmarie Koller-Schmid das SKF-Präsidium.

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