15.07.2021

Sommerserie, Teil 2/3
Knapper Platz auf der Halbinsel

Von Johanna Moser

  • Historische und topmoderne Gebäude stehen auf der Klosterhalbinsel Wettingen Seite an Seite.
  • Gewerbe, Gastronomie, Bildung und Religion teilen sich den Platz in der Limmatschlaufe.
  • Damit ab 2022 auch die Besucherinnen und Besucher des Museum Aargau Platz auf der Halbinsel finden, werden am künftigen Museumsstandort Gebäude saniert, erweitert oder umgenutzt.


Besucht man zum ersten Mal die Wettinger Klosterhalbinsel und entschliesst sich zu einem Spaziergang über das Areal in der Limmatschlaufe, so wird man von der vielfältigen Infrastruktur überrascht sein. Die Anlage besteht keineswegs nur aus den Räumlichkeiten des ehemaligen Zisterzienserklosters. Neben historischen Gebäuden wie der Klosterkirche, dem Zollhaus oder der alten Spinnerei, die jeweils ihre ganz eigene Geschichte haben, findet man den hochmodernen Sporthallenkomplex, der komplett unter der Erde liegt, so dass freie Sicht auf die unter nationalem Denkmalschutz stehende Klosteranlage bleibt. Die Kunst am Bau an der Dreifachturnhalle, die auf der Frontseite dieser Ausgabe zu sehen ist, spielt mit der Metapher des Felsens, auf welchem das Zisterzienserkloster über der Limmat thront und in den die neue Halle buchstäblich gemeisselt wurde.

Manche Bauten vereinen auf elegante Art alte und neue Bauweise in sich. So zum Beispiel die Löwenscheune, ein ehemaliges Ökonomiegebäude des Klosters, das heute als Mensa dient, aber auch für Anlässe vermietet wird.

Kultur, Kulinarik und Kirche


Auf der Klosterhalbinse, deren Form durch eine Schlaufe der Limmat geprägt wird, gibt es mehrere Grünanlagen. So laden unter anderem der Klosterpark und die Gärten der Klostergärtnerei zur Erholung ein, während an heissen Sommertagen ein Bad in der Limmat für eine willkommene Abkühlung sorgt. Die bunte Infrastruktur der Klosterhalbinsel bietet sich für eine vielfältige Nutzung an. Kleinere Unternehmen und Gastronomiebetriebe, aber auch die Kirchgemeinde Wettingen sind auf der Klosterhalbinsel vertreten. In der barocken Klosterkirche werden von der römisch-katholischen und christkatholischen Kirche regelmässig Gottesdienste gefeiert und an der Klosterstrasse befindet sich das Sekretariat der römisch-katholischen Kirchgemeinde. Ausserdem finden auf der Klosterhalbinsel zahlreiche Events und kulturtouristische Veranstaltungen statt.

Masterplan für die Klosterhalbinsel


Mit ihren vielen Nutzungsmöglichkeiten und Gebäuden stellt die Klosterhalbinsel Wettingen einen einzigartigen Ort im Kanton Aargau dar, der die Chance für ein nachhaltiges Zusammenleben bietet. Genau dies kann bei so vielen Interessensparteien aber auch zur Herausforderung werden. Um den Bedürfnissen aller Grundeigentümer gerecht zu werden, entwickelten Kanton und Gemeinde von 2009 bis 2013 den sogenannten «Masterplan Klosterhalbinsel Wettingen», der das Areal aufwerten und das Zusammenleben optimieren soll.

Die Umsetzung dieses Plans bringt der Kantonsschule beispielsweise den Vorteil, dass sie die Organisation von ausserschulischen Anlässen in andere Hände abgeben kann. Wichtige Aspekte des Masterplans sind die Eingliederung der Halbinsel ins Museum Aargau sowie das Wachstum der Schule. Diese leidet unter Raumknappheit, da in naher Zukunft aus demographischen Gründen mehr Schülerinnen und Schüler an den Kantonsschulen erwartet werden. Kantonsweit sind Massnahmen geplant, um den Zuwachs auffangen zu können.

Eine Baulücke gefunden


Mit der 2018 eingeweihten Dreifachturnhalle wurde die alte Turnhalle, die an das Hauptgebäude der Kantonsschule angebaut ist, überflüssig und wird verschwinden. Stattdessen ist ein neues Gebäude geplant, das auf der Wiese neben dem Kreuzgang des Klosters stehen soll. Eine solche Wiese, die direkt an den Kreuzgang anschliesst, ist für ein Zisterzienserkloster ungewöhnlich. Es handelt sich dabei um eine Baulücke. In früheren Zeiten stand dort ein Gebäude, das sogenannte «Hönggerhaus», welches als Kornspeicher diente, später aber einstürzte.

Nun soll dort ein neuer Anbau mit weiteren Klassenzimmern entstehen. Allerdings muss der Grosse Rat noch entscheiden, ob er bereit ist, die Ressourcen für das Projekt zur Verfügung zu stellen.

Vor Einsturz bewahrt


Auch der Karrenstall selbst, der in den letzten Jahren leer stand, bedurfte dringend einer Renovation. Er war akut einsturzgefährdet und enthielt morsche Dachbalken, weshalb der gesamte Dachstuhl saniert werden musste. Der Bau wurde so instand gesetzt, dass dort neuer Schulraum für den Instrumental- und Musikschulunterricht der Kantonsschule entstand. Auch für projektartigen Unterricht eignen sich die neuen Räume. Diese braucht die Schule dringend, auch weil der bisherige Unterrichtsraum Gartensaal ab dem Frühjahr 2022 als Gästezentrum für den neuen Standort des Museums Aargau dient.

Museumsbesucher sollen mit ÖV kommen


Renovierungsbedürftig sind zudem auch die beiden Brücken, die die Halbinsel mit der Gemeinde Neuenhof verbinden. Die Renovationsarbeiten an einer der Brücken sind gerade in vollem Gange. Des Weiteren wird der Parkplatz vor dem unter Denkmalschutz stehenden Karrenstall entfernt, um den Zugang zum Gebäude zu erleichtern. Ersatz für die Parkplätze ist bereits neben dem Sportplatz realisiert.

Da die Klosterhalbinsel vom Bahnhof Wettingen aus in zwei Minuten Fussweg erreichbar ist, werden hoffentlich viele Besucher des künftigen Museumsstandorts mit dem öffentlichen Verkehr anreisen.

Aufwertung der Gesamtanlage


Um den Gartensaal in ein Gästezentrum umwandeln zu können, wird dieser einer sanften Renovation unterzogen. Im Rahmen der Eingliederung der Klosterhalbinsel ins Museum Aargau werden auch das Parlatorium des ehemaligen Klosters und das Abthaus sowie der zugehörige Garten erneuert. Auf diese Weise trägt die Entwicklung des neuen Standortes des Museums Aargau auf der Klosterhalbinsel massgeblich zur Aufwertung der gesamten Anlage bei.

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