Die Aargauer Landeskirchen präsentieren sich erfolgreich seit 2015 an der Hochzeitsexpo in Lenzburg. Pfarrerin Edith Frey, Pastoralraumleiter Beat Niederberger und Frank Worbs, Leiter Kommunikation der Reformierten Landeskirche im Aargau, standen Rede und Antwort. | © Werner Rolli

Aargauer Landeskirchen an der Hochzeitsmesse Lenzburg

Anne Burgmer, 19.2.19
  • Zum sechsten Mal fand in Lenzburg im Müllerhaus die Hochzeitsexpo statt. Was 2014 klein begann, bietet mittlerweile einen breiten Überblick verschiedener Anbieter im Kontext der Hochzeitsfeier.
  • Seit 2015 sind auch die Aargauer Landeskirchen mit einem ökumenischen Infostand unter dem Motto «Kirchlich heiraten, himmlisch schön» vertreten.
  • Im Interview (siehe Zusatzbeitrag) erzählt Peter Michalik, Erwachsenenbildner von Bildung und Propstei, von seinen Erfahrungen an der Hochzeitsexpo.

 

Draussen weiss- und rosafarbene Ballons, zu Herzen arrangiert, ein roter Ferrari mit Blumenbouquet auf der Haube, langstielige Rosen am Gitter des Treppenaufgangs zum Müllerhaus. Im Inneren des ansprechenden alten Gebäudes findet sich vom Keller bis in den ersten Stock alles, was sich heiratswillige Paare rund um die Hochzeit erträumen können. In Lenzburg ist Hochzeitsexpo.

Hochstehend, aber herzlich

«2014 hat Herr Frey die Hochzeitsmesse in Lenzburg ins Leben gerufen. Damals nur mit wenigen Ausstellern, so dass im Keller eine Hochzeitsmodenschau stattfinden konnte», erinnert sich Evelin Amsler, Inhaberin des Bastel-Huus in Aarau und Mitorganisatorin der Hochzeitsexpo. Neben ihr steht besagter Gründer Roland Frey, der in Sachen Schmuck, genauer Partnerringe, an der Hochzeitsmesse vertreten ist: «Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir ein hochstehendes und überregionales Angebot bieten wollen. Unter den Ausstellern ist die Hochzeitsexpo mittlerweile so beliebt, dass sie uns langfristig in ihren Terminkalender einplanen». Evelin Amsler betont, es sei ihnen wichtig, dass die Messe auch bodenständig und herzlich wahrgenommen werde: «Die Menschen können hier mit den Ausstellern in Ruhe sprechen. Der direkte Kontakt und das Gespräch haben Priorität».

Kirchliche Trauung als Ausnahme

Von überall aus der Schweiz kommen die Besucher und flanieren durch die Räume. So auch das zukünftige Ehepaar Stucki. Im Keller lassen sie sich von einer Cateringfirma zeigen, was möglich ist; appetitliche Obstspiesse, Kleingebäck und Währschaftes sprechen die Sinne an. Herr und Frau Stucki werden ihre Hochzeit im Oktober feiern. Sie leben im Kanton Zürich, doch Frau Stucki stammt aus dem Aargau – geheiratet wird dort. Sie lassen sich durch die Räume treiben und gelangen auch an den Stand der Aargauer Landeskirchen.

Dort geht es – so erklärt Frank Worbs, Leiter Kommunikation der Reformierten Landeskirche – weniger um Beratung und «Vertragsabschlüsse», als darum, überhaupt präsent zu sein. «Junge Paare kommen oftmals nicht einmal mehr auf die Idee, dass es eine Möglichkeit wäre, kirchlich zu heiraten. Da nehmen wir sehr deutlich einen Traditionsabbruch wahr», meint Frank Worbs. Das zukünftige Ehepaar Stucki ist da vielleicht eine Ausnahme: «Wir sind katholisch, und dass wir kirchlich heiraten, stand nie zur Diskussion», sagt er, denn Ehe und Eheschliessung seien mehr als ein Verwaltungsakt. Gerne nimmt das Paar die Broschüre der Landeskirchen «Kirchlich heiraten – himmlisch schön» entgegen und unterhält sich kurz mit Beat Niederberger, Seelsorger und Pastoralraumleiter des Pastoralraumes Region Aarau.

Die Kirche bringt sich in Spiel

Der katholische Seelsorger Beat Niederberger hat für seine Pfarrgemeinde Heilige Familie Schöftland eine Trauvollmacht und lange Erfahrung mit dem Thema. Darauf angesprochen, dass sich das Eheverständnis in der reformierten Kirche einerseits von der katholischen und auch christkatholischen Auffassung der Ehe unterscheidet, entspinnt sich am Landeskirchenstand eine angeregte Diskussion zwischen Frank Worbs, Beat Niederberger und der Pfarrerin Esther Graf. «Die Paare, die zu mir kommen, wissen, worum es geht. Doch die Trauungen mit kirchlichem Bezug nehmen grundsätzlich ab», sagt Beat Niederberger.

Die Fragen, da sind sich die drei Kirchenleute einig, stellten sich weniger im Bereich des verschiedenen Eheverständnis‘, als bei anderen Themen. Welche Sprache sprechen die Kirchen beispielsweise mit den Menschen? Frank Worbs weiss, dass Trauungen gelegentlich noch in liturgischen Formeln in einer heute unverständlichen Sprache gestaltet werden. Das müsse sich ändern. Mit der Broschüre «Kirchlich heiraten – Himmlisch schön» und ihrer Präsenz an der Hochzeitsexpo gehen die Landeskirchen einen Schritt auf diesem Weg und zeigen, dass die Kirchen etwas zeitgemässes anzubieten haben zu den Themen des Lebens. Ganz neu, seit Januar, bringen sich die Kirchen auch zum Thema Geburt und Taufe ins Spiel. Den bekannten Mamapaketen, die während der Schwangerschaft im Kanton verschickt werden, liegt eine entsprechende Broschüre der Landeskirchen bei.

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Roland Frey und Evelin Amsler organisieren die Hochzeitsexpo in Lenzburg, die seit sechs Jahren stattfindet. | © Werner Rolli
Die Organisatoren der Hochzeitsexpo
Ein schön gedeckter Tisch und Blumenschmuck sind nur ein Aspekt einer Hochzeitsfeier. Zahlreiche Aussteller präsentieren sich an der Hochzeitsexpo. | © Werner Rolli
Feierlich eingedeckt
Kleidung, Eventmanagement, Filmfirmen, Musiker und auch Finanzberater: Rund um eine Hochzeit gibt es viel zu bedenken. | © Werner Rolli
Aussteller im Müllerhaus
Beratung zum Catering: Im Oktober wollen die zukünftigen Eheleute Stucki ihr Fest feiern. An der Hochzeitsexpo lassen sie sich inspirieren. | © Werner Rolli
Feine Apérohäppchen
Hochzeitsfloristik und Apérohäppchen: Zarte Farben im Kellergewölbe. | © Werner Rolli
Frisches Grün und zarte Farben
Schminken, Frisieren - die Braut soll perfekt aussehen. Coiffeure und Fotografen sind unter den Ausstellern ebenso vertreten wie freie Ritualgestalter oder Musiker. | © Werner Rolli
Make-up für die Braut
Das zukünftige Ehepaar Stucki im Gespräch. Die kirchliche Trauung stand für die beiden nie in Frage. Dennoch nehme sie die Information der Landeskirchen gerne an. | © Werner Rolli
Informationen zur kirchlichen Trauung
Auf einen interessanten Aspekt macht Beat Niederberger aufmerksam. Er mache gute Erfahrungen damit, in die Trauzeremonie auch ein Abschiedsritual für die Eltern und ihre Kinder, die nun heiraten, zu integrieren. «Es muss gut überlegt und besprochen werden, doch eine Trauung ist auch ein Ablöseprozess und eine Veränderung bestehender Familienverhältnisse», ist der Seelsorger überzeugt. | © Werner Rolli
Beat Niederberger

Wichtiges Thema für Paare

Peter Michalik, Fachmitarbeiter Bildung und Propstei mit Schwerpunkt Paare und Familien. | © Felix Wey

Erwachsenenbildner Peter Michalik von Bildung und Propstei berichtet im Interview, wie Besuchende auf den Stand der Landeskirchen an der Hochzeitsexpo reagieren.

Peter Michalik, Sie waren schon 2018 an der Hochzeitsexpo. Was ist Ihr stärkster Eindruck von der Veranstaltung?
Peter Michalik:
Es sind die persönlichen Begegnungen mit Paaren und die Themen die angesprochen werden. Diese spiegeln die noch offenen Fragen, die Paare haben, wenn sie sich mit dem Thema «kirchlich Heiraten» auseinandersetzen. Wie zum Beispiel Konfessionsunterschiede, Partner, die aus einer Landeskirche ausgetreten sind, können wir in einer bestimmten Kirche heiraten, …. Hier treffen wir als Kirche unser Zielpublikum. Es sind nur wenige Paare die sich für die kirchliche Trauung nicht interessieren.

Die Kirchen präsentieren sich bereits seit 2015 an der Hochzeitsexpo in Lenzburg und waren 2019 erstmals auch am entsprechenden Anlass im Campus-Saal in Brugg vertreten. Wie wird das von den BesucherInnen aufgenommen?
Peter Michalik:
An erster Stelle wird sehr geschätzt, dass die Landeskirchen an der Hochzeitsmesse gemeinsam auftreten. Dann ist es die Möglichkeit konkrete Fragen zu stellen. Durch die Anwesenheit beider Landeskirchen kann auch auf die jeweils spezifischen Anliegen eingegangen werden. Dieses Angebot wird sehr rege genutzt. Viele Paare sind überrascht, dass sie offen über ihre Anliegen sprechen können und diese auch offen in unserer Broschüre «Kirchlich Heiraten – Himmlisch schön» angesprochen werden.

Was haben die Kirchen anzubieten, was andere Anbieter nicht im Programm haben?
Peter Michalik:
Für viele Paare ist die kirchliche Trauung immer noch ein wichtiges Thema und auch ein Wunsch. Einerseits sind es die Räume, die wir anbieten können und die oft eine spezielle Ausstrahlung haben, andererseits ist es die Tatsache die Trauung auf eine andere, spirituelle Ebene zu setzten und die Ehe unter den Segen Gottes zu stellen. Viele Paare wünschen sich ganz traditionell in Weiss und in der Kirche zu heiraten.

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