Auf Ende Januar 2017 hätte der Pastoralraum Wasserschloss mit Turgi, Birmenstorf und Gebenstorf feierlich errichtet werden sollen. Doch daraus wird nichts: Der Pfarrer Celestine Thazhuppil muss gehen, und die Kirchenpflegen stoppen das Pastoralraumprojekt. Sie wollen zuerst wissen, wie es personell weitergeht. | © Roger Wehrli

Missione impossibile anstatt Missio Canonica

Errichtung des Pastoralraums Wasserschloss verschoben

Andreas C. Müller, 21.11.16

Auf Ende Januar 2017 hätte der Pastoralraum mit Turgi, Birmenstorf und Gebenstorf feierlich errichtet werden sollen. Doch daraus wird nichts. Über die Gründe gehen die Meinungen auseinander.

«Das Pastoralraumkonzept ist erarbeitet und liegt vor». Es fehle jedoch noch eine vertragliche Lösung von Seiten der Kirchgemeinden, begründet Bischofsvikar Christoph Sterkman die Verschiebung der auf Ende Januar vorgesehenen Errichtung des Pastoralraums Wassersachloss, der die Pfarreien Turgi, Birmenstorf und Gebenstorf umfassen wird. Eine Erklärung, die weder von Gemeindeleiter Peter Daniels, noch von Seiten der Kirchenpflegepräsidien bestätigt wird.

Bischöfliche Richtline: Der Pfarrer muss gehen

«Wir sind parat, das Bistum hat alle Dokumente bekommen, an die 40 bis 50 Seiten. Wir haben die gegenseitigen Verrechnungen vereinfacht, Gottesdienstzeiten in Übereinstimmung gebracht und so weiter…» Für Meinrad Zehnder, Kirchenpflegepräsident von Birmenstorf, ist klar: «Das Bistum wollte die «Missio Canonica» von Pfarrer Celestine Thazhuppil nicht verlängern – und dies, obschon sein Heimatbischof in Indien sogar brieflich sein Einverständnis gegeben hatte.»

Laut Hansruedi Huber, Kommunikationsverantwortlicher beim Bistum Basel, sieht eine Richtlinie der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) bei ausländischen, sogenannten «Fidei Donum»-Priestern «eine maximale Amtszeit von 8-10 Jahren vor.» Im Falle von Celestine Thazhuppil seien «sowohl der Priester wie auch die beiden Kirchenpflegen rechtzeitig darauf hingewiesen worden, dass die Vereinbarung und damit auch die Ernennung per 31. Juli 2017 auslaufen wird.»

Bistum zählt Jahre in Deutschland mit

Laut Kirchenpflegepräsident Meinrad Zehnder stand Celestine Thazhuppil während sieben Jahren im Dienste der Pfarreien Birmenstorf, Gebenstorf und Turgi: «Zunächst hatte er eine Missio für 5 Jahre, die dann nochmals bis Sommer 2017 um zwei Jahre verlängert wurde.» Recherchen von Horizonte ergaben, dass Celestine Thazhuppil 2005 aus Indien nach Deutschland kam, dort von 2005 bis 2007 in Bissingen bei Augsburg als Seelsorger tätig war, bevor er von September 2007 bis August 2009 in Pfaffenhofen nördlich von München als Kaplan wirkte. Hansruedi Huber vom Bistum Basel dazu: «Die am 1.September 2009 noch von Bischof Kurt Koch mitunterzeichnete Vereinbarung lief im Juli 2014 aus, weil der besagte Priester zuvor bereits während vier Jahren für die Diözese Augsburg tätig gewesen war». Später wurde jene Vereinbarung «unter Bischof Felix ein letztes Mal bis Juli 2017 verlängert, allerdings unter ausdrücklichem Ausschluss einer weiteren Verlängerung.»

Es scheint, als seien unter Berücksichtigung der bereits erwähnten bischöflichen Richtlinie für ausländische Priester, die eine maximale Arbeitszeit von 8-10 Jahren vorsieht, auch die Jahre in Deutschland angerechnet worden. Aus welchem Grund dies so gehandhabt wurde – immerhin handelt es sich bei der erwähnten Richtlinie um eine für die Schweizer Bistümer verbindliche Regelung – wurde seitens des Bistums Basel nicht näher kommentiert.

Kirchenpflegen wollen Klarheit in Personalfrage

Für Christoph Sterkman ist die Nichtverlängerung der Missio von Celestine Thazhuppil aber «nur indirekt ein Grund» dafür, dass der Pastoralraum Wasserschloss aktuell nicht vorwärts kommt. Für jeden Pastoralraum müssten die Kirchgemeinden einen Zweckverband gründen oder eine vertragliche Lösung der Zusammenarbeit beschliessen, so der Bischofsvikar. «Da sind die betreffenden Kirchgemeinden noch nicht so weit.»

Derartige Aussagen kommen in Birmenstorf nicht gut an. Kirchenpflegepräsident Meinrad Zehnder: «Celestine Thazhuppil ist bei uns beliebt, er war bei der Erarbeitung des Pastoralraums involviert. Und jetzt soll er einfach gehen. Damit haben wir Mühe. Vor allem, weil uns das Bistum bis jetzt personell keine Alternative aufzeigen konnte.» Aus diesem Grund habe man entschieden: «Wir stoppen das Projekt, bis wir Klarheit haben.» Besonders bitter: Meinrad Zehnder wirkte zehn Jahre als Kirchenpflegepräsident und wird auf Ende Jahr seinen Rücktritt geben. Zu seinem Abschied wollt Meinrad Zehnder den Pastoralraum unter Dach und Fach bringen. Daraus wird nun nichts. Der Bischof, so der Kirchenpflegepräsident, hätte für das Anliegen der betroffenen Gemeinden, die Missio für Celestine Thazhuppil noch einmal zu verlängern, ein gewisses Verständnis gezeigt. Gescheitert sei es letztlich an der harten Haltung des Personalverantwortlichen in Solothurn, Fabian Berz.

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