Ein ungewohntes Bild im Sommer, doch in wenigen Monaten startet die Chlaus-Saision. Im November wird deswegen in Wisklikofen die 4. Schweizer Samichlaus-Synode stattfinden. Wer die erdacht hat und was ein Chlaus im Sommer macht. Horizonte hat nachgefragt. | © zvg/Wolfgang von Arx

Nachgefragt: Was macht der Samichlaus im Sommer?

Anne Burgmer, 28.8.19
  • Am 2. November 2019 findet in der Propstei Wislikofen bereits zum vierten Mal die Schweizer Samichlaus-Synode statt.
  • Horizonte hat hinter den Bart eines Samichlaus geschaut und sich gefragt, wer überhaupt die Idee zur Synode hatte.

 

Ein Mann hinter dem Bart ist Wolfgang von Arx, 58-jährig. Im zivilen Leben ist er Elektroingenieur und kümmert sich um TV-Technik. Zwei oder drei Mal war er an der Schweizer Samichlaus Synode in Wislikofen und wird auch 2019 dort sein. Seit 43 Jahren ist er aktiv; in jungen Jahren zunächst als Schmutzli, dann als Chlaus. Er ist Mitglied der Chlausenzunft Egerkingen.

Herr von Arx, was macht ein Chlaus eigentlich im Sommer?
Wolfgang von Arx: Wenn er ein spezieller Chlaus ist, schafft er für die Chlausezunft.

Was heisst «spezieller» Chlaus?
Ich entwerfe Iffelen. Das sind ein bis zwei Meter hohe leuchtende Mitren mit ausgeschnittenen Sujets. Diese Sujets sind mit farbigem Japanpapier hinterlegt. Beim Chlausumzug, den wir Aussendung nennen, werden die Iffelen über dem Kopf getragen. Dieser Brauch hat sich vor rund 20 Jahren bei uns in Egerkingen und der umgebenden Region entwickelt.

Schneiden Sie die Iffelen dann auch selber aus?
Nein, wir lassen die Entwürfe drucken, laminieren und schneiden. Für die Primarschulen, die am Umzug teilnehmen und auch Iffelen und Sterne tragen, besorgen wir das Material. Am Umzug, der in der Kirche startet, machen in unserer 3000 Einwohner Gemeinde rund 400 Leute aktiv mit.

Sie waren schon mehrmals an der Samichlaussynode, was ist an diesem Anlass besonders wertvoll?
Der Kontakt und der Austausch. Die Vielfalt im Chlauswesen ist gross, weil es über den Heiligen Nikolaus nur Legenden gibt. Jeder Chlaus und jede Chlausenzunft macht es also auf je eigene Art. Es gibt nicht, wie bei den Turnern ein Eidgenössisches, wo alle zusammenkommen. Die Synode ist der Anlass, der die Chläuse für Kontakt und Austausch zusammenführt.

Was ist das Herausforderndste am Chlaussein?
Dass wir den Draht finden für das Gespräch mit den Kindern. Die können zwischen drei und 80 Jahren alt sein. Vor dem Besuch führen wir deshalb ein Telefonat mit den Eltern.

Eine Kritik ist oft, der Chlaus würde als Erziehungsmassnahme benutzt, haben Sie das selber erlebt?
Ja, das ist verbreitet. Wir nehmen aber keine Ruten mehr mit und das sogenannte Sündenregister, füllen die Eltern zwar aus, doch ich brauche das eigentlich nicht. Ich liste auch nicht drei gute und drei schlechte Sachen auf.

Bernhard Lindner, Bildung und Propstei, «Erfinder» der Samichlaus-Synode

Bernhard Lindner, in einem Gespräch erwähnte jemand, Sie seien der Erfinder der Samichlaus-Synode. Stimmt das?
Bernhard Lindner:
Ja, die Idee einer Samichlaus-Synode hatte ich vor mehr als zehn Jahren. Am Anfang stand einfach eine schöne Vorstellung: Viele Samichläuse in ihrem Bischofsornat, die die Bahnhofstrasse in Aarau hinunterschreiten, um sich im Grossratssaal zur Synode zu treffen. Ein würdevoller Auftritt vieler Chläuse, vielleicht noch begleitet von ihren Schmutzlis.

Wie lange ging es dann bis zur konkreten Umsetzung?
Eine verrückte Idee zunächst. Doch beim Nachdenken darüber und im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen wurde deutlich, dass dies nicht nur ein schönes Bild ist, sondern ein höchst sinnvolles Treffen. Das Samichlaus-Brauchtum in der Schweiz ist sehr vielfältig und kreativ. Und sehr alt auch. Manches einige Hundert Jahre. Auch in traditionell reformiert geprägten Kantonen gibt es diesen Brauch. In jedem Dorf, in jeder Stadt kann man den Samichlaus um den 6. Dezember herum antreffen. Dieses Brauchtum gilt es wertzuschätzen und auch medial immer in den Fokus zu rücken, angesichts des kommerziellen Missbrauchs der Figur. Im Kontakt mit verschiedenen Chlausengruppen im Aargau haben wir dann 2011 zu einer ersten Samichlaus-Synode eingeladen. Nicht nach Aarau, sondern in die Propstei Wislikofen, der würdige Rahmen für eine „bischöfliche“ Zusammenkunft. In diesem Jahr veranstalten wir bereits die 4. Schweizer Samichlaussynode.

Was sind die häufigsten Themen, mit denen Samichläuse konfrontiert werden oder sich auseinandersetzen müssen?
Ich habe grossen Respekt vor den Männern, die als Samichläuse jeweils unterwegs sind. Sie spielen eine ganz besondere Männerrolle mit grosser Verantwortung in der Entwicklung von Kindern. Gleichzeitig steht die Figur für christliche Werte wie zum Beispiel Respekt, das Teilen und Verantwortung. Viele Chläuse sind sich dieser Aufgabe bewusst. Mehr oder weniger herausgefordert werden sie bei jedem Besuch. Wie reagieren die Kinder? Welche Atmosphäre gibt es in der Familie? Welche Erwartungen gibt von Seiten von Eltern an ihn? Wie kann er die Kinder positiv unterstützen? Wie ihnen Mut machen?

An der Synode wird es verschiedene spannende Ateliers geben, die Synode sehr beliebt. Wie viele Teilnehmende kommen jeweils?
Wir hatten jeweils um die 80 Teilnehmende: 40 bis 50 Chläuse, aber auch Schmutzlis und OrganisatorInnen, oftmals Frauen.

Eine letzte Frage: Wissen Sie, was der Samichlaus im Sommer macht?
Ich denke, der Samichlaus geht auch gerne in die Badi. Aber vielleicht ist er auch als Bergsteiger unterwegs. Denn als Samichlaus muss man sich fit halten. Und vielleicht beginnt er, sich einen Bart wachsen zu lassen. Einen echten natürlich.

 

Veranstaltungshinweis

No Fake – der Samichlaus lebt!

Aufmerksamkeit und Wertschätzung für den Brauch des Samichlaus. Deshalb gibt es die mittlerweile 4. Schweizer Samichlaus-Synode. Engagierten soll die Möglichkeit geboten werden, sich untereinander zu vernetzen und auszutauschen. Eingeladen sind Samichläuse, Schmutzlis, und Frauen und Männer, die im Hintergrund eine wichtige Arbeit leisten. Die Samichlaus-Synode findet am 2. November 2019 von 9 bis 16 Uhr in der Propstei Wislikofen statt: Begegnung, Ateliers, Erfahrungsaustausch sowie der feierliche Einzug in die Propsteikirche stehen auf dem Programm. Leitung: Bernhard Lindner, Claudia Mennen, Peter Michalik. Wegen der grossen Nachfrage zählt die Reihenfolge der Anmeldung. Auskunft und Anmeldung: 056 201 40 40, www.propstei.ch

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