Das Thema sexueller Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Frauen oder Männern in der katholischen Kirche stellt die Organisation vor eine Zerreissprobe. Für die Medien ist das Thema ein gefundenes Fressen. Die Bistümer Basel und St. Gallen reagierten mit einer Medienmitteilung auf teilweise verkürzte Berichterstattung. | © Symbolbild Roger Wehrli

Missbrauchsprävention: Basel und St. Gallen haben reagiert

Anne Burgmer, 4.3.19
  • Die Bistümer St. Gallen und Basel reagierten per Medienmitteilung auf die Behauptung, die katholische Kirche würde nur reden, und nicht handeln.
  • In Rom empfing Papst Franziskus Schweizer Missbrauchsopfer.

 

«Nach der Konferenz zum Schutz von Minderjährigen in Rom haben einige Medien berichtet, die Kirche würde nur reden, aber unverbindlich bleiben. Weil das nicht stimmt, lancieren wir heute zusammen mit dem Bistum St. Gallen eine Mitteilung über die in den letzten 19 Jahren umgesetzten Präventionsmassnahmen», heisst es im Anschreiben des Kommunikationsbeauftragten des Bistums Basel, Hansruedi Huber.

Massnahmenkatalog

In der Mitteilung selber wird detailliert aufgelistet, welche Massnahmen seit Anfang der 2000er Jahre in den Bistümern umgesetzt wurden.  Dazu gehört die Einrichtung von Fachgremien, verpflichtende Kurse zum Thema Nähe und Distanz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch die Ausarbeitung von Meldeprozessen für den Fall von Missbrauch. Bezüglich des Strafregisterauszugs, des Sonderprivatauszugs oder sonstiger Erklärungen gehen die Bistümer St. Gallen und Basel teilweise unterschiedliche Wege. Zudem wird auf gesamtschweizerische Massnahmen verwiesen: «Die Aufarbeitung der Vergangenheit und die Einführung eines Genugtuungsfonds erfolgte auf gesamtschweizerischer Ebene. In den letzten Jahren wurden kaum mehr neue Übergriffe gemeldet». Das Ziel bleibe «null Fälle».

Verschärfte SBK-Richtlinen

Die Medienmitteilung der beiden Bistümer St. Gallen und Basel erschien im Anschluss an die Information der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) nach deren jüngster Vollversammlung. Die SBK hatte sich von ihrem Vorsitzenden Felix Gmür über den Anti-Missbrauchsgipfel in Rom informieren lassen und zudem das Inkraftreten der Verschärften Richtlinien der SBK zu sexuellen Übergriffen per 1. März 2019 bekanntgegeben.

 Zeichen für Schweizer Opfer

Der Anti-Missbrauchsgipfel in Rom war bereits im Vorfeld sehr unterschiedlich beurteilt worden. Einerseits herrschte die Hoffnung vor, es werde sich endlich etwas bewegen. Andererseits warnten Kirchenkenner vor zu hohen Erwartungen. Differenziert beschreibt die Allianz «Es reicht» in einem Text, wo sie Handlungsbedarf, aber auch positive Anfänge wahrnimmt.

Nach dem Gipfel macht sich nun Ernüchterung breit, besonders bei Opferverbänden, die sich ein klareres Schuldbekenntnis des Papstes in seiner Abschlussrede gewünscht hätten. Für Schweizer Opfer von Missbrauch durch Vertreter der Kirche gab es nun ein kleines Zeichen: Papst Franziskus empfing eine Schweizerin und einen Schweizer, die in ihrer Kindheit Opfer von Missbrauch wurden, in Rom zu einer Audienz.

 

Bistum Basel: Sexueller Übergriff – was tun?

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