Um die Ausbreitung des Corona-Virus' zu stoppen, müssen die Kirchenbänke leer bleiben. | © kna-bild

Seelsorge in Zeiten von Corona

Cornelia Suter, 15.4.20
  • Soziale Kontakte vermeiden, möglichst allein bleiben. Damit kommt nicht jeder klar. Das spüren besonders auch die Seelsorger im Land.
  • Sollen in dieser Situation auch die persönlichen Seelsorgegespräche von Angesicht zu Angesicht ausbleiben? Horizonte hat beim Bistum Basel und bei Betroffenen nach Antworten gesucht.

 

Durch die Ausbreitung des Corona-Virus‘ ist das kirchliche Leben stark eingeschränkt. Gottesdienste mit Besuchern sind verboten, stattdessen gibt es digitale, geistliche Angebote. Das Bistum Basel hat Ende Februar erste Empfehlungen für das kirchliche Leben herausgegeben. Kurze Zeit später wurden daraus Massnahmen – heute, knapp zwei Monate später, sind es gar Weisungen.

Zehn Kantone, unterschiedliche Voraussetzungen

Kanzler Thomas Jann vom Bistum Basel hat die Sicherheitsbestimmungen während der letzten Wochen gemeinsam mit der Taskforce des Bistums Basel für das kirchliche Leben ausgearbeitet. «Wir sind ein Bistum mit zehn verschiedenen Kantonen, das war am Anfang recht schwierig», sagt er. «Jetzt, wo der Bund versucht, möglichst einheitliche Massnahmen für die gesamte Schweiz herauszugeben, wird’s hoffentlich einfacher für uns.»

Thomas Jann ergänzt mit dem Beispiel einer Abdankung: «Bei Bestattungen im Bistum Basel empfehlen wir, grundsätzlich nur im engsten Familienkreis auf dem Friedhof Abschied zu nehmen. Der Kanton Aargau erlaubt jedoch auch Abdankungen in den Kirchen mit maximal 15 Personen. Es bleibt ein kleiner Spielraum, den die Seelsorger verantwortet nutzen können.»

Seelsorge hat telefonischen Kontakt intensiviert

Doch gerade jetzt, in Zeiten von Corona, ist das allgemeine Angebot der Seelsorge gefragt – stärker denn je. Viele ältere Personen sind alleine zu Hause. Was, wenn jemand in seinem Alleinsein ein Gegenüber braucht? «Aktiv zu den Leuten zu Besuch gehen wir nicht mehr», erklärt Beat Niederberger, Gemeindeleiter aus Schöftland. «Gerade, weil wir ja zu älteren Leuten gehen würden, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind», ergänzt er weiter.

Den telefonischen  Kontakt haben die Seelsorger hingegen intensiviert. Vor allem jene, die vorher regelmässig besucht wurden, werden nun von den Seelsorgenden persönlich angerufen. «Die Leute verstehen, dass wir nicht mehr persönlich nach Hause kommen können und schätzen deshalb den Telefonanruf sehr. Da heisst es nicht: <Ah, jetzt kommt nicht einmal mehr der Pfarrer>», schmunzelt Beat Niederberger.

«Ausdruck der Verbundenheit mit Familien»

Auch der Erlinsbacher Pfarrer, Beda Baumgartner, weiss, dass momentan eine herausfordernde Zeit ist: «Deshalb melde ich mich auch regelmässig bei Familien, die ich kenne – einfach um ihnen meine Verbundenheit auszudrücken. Man lebt jetzt nahe aufeinander, ist beruflich und privat sehr gefordert.» Das werde von den Leuten sehr geschätzt, wie Beda Baumgartner weiss: «Die Leute sind dankbar, dass man an sie denkt.»

Bistum: Persönliche Seelsorge ist möglich

Auch das Bistum Basel hält an der persönlichen Seelsorge fest. «Es ist uns ein grosses Anliegen, dass die Seelsorge nach wie vor weitergeführt werden kann. Nach Empfehlungen des Bundes, selbstverständlich. Da sind wir froh, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger das auch in Eigenverantwortung so machen», erklärt Kanzler Thomas Jann.

Mit der Wahrung von genügend Abstand und unter fünf Personen darf man sich ja auch im privaten Umfeld treffen. Deshalb macht auch Beat Niederberger ab und an eine Ausnahme: «Wenn jemand ins Pfarramt kommt, dann nehme ich ihn schon zu mir für einen Kaffee mit dem gebührenden Abstand natürlich.» Und auch Beda Baumgartner wurde in Erlinsbach schon von mehreren Leuten in der Kirche angesprochen.

Problem: Uneinsichtige Pfarrer

Doch was geschieht, wenn Seelsorgende die Weisungen des Bistums nicht einhalten? «Wir sind nicht die Polizei», erklärt Kanzler Thomas Jann vom Bistum Basel. «Wir können Massnahmen bekanntgeben und Empfehlungen abgeben; die Verantwortung liegt jedoch bei jedem selbst», ergänzt er.

Und tatsächlich hatte der Kanzler vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie einige Telefonanrufe: «Ich kann mich an ein Telefon von einer Sakristanin erinnern, die gesagt hat, sie bringe ihren Pfarrer einfach nicht dazu, dass er jetzt auf Mundkommunion verzichten solle. Ich habe ihr dann empfohlen, dass sie ihrem Pfarrer ins Gewissen reden soll. Das hat sie dann gemacht. Ich gehe nun davon aus, dass inzwischen auch diese Person gemerkt hat, um was es hier geht.»

Seelsorger sehen neue Situation als Chance

Allgemein funktioniert, laut Bistum Basel, das Einhalten der Vereinbarungen ganz gut. Die Seelsorgenden gehen teilweise richtig auf in ihren neuen Aufgaben: «Telefonieren macht mir nichts aus, das liegt mir. Priestersein bedeutet für mich nicht nur Gottesdienste feiern, sondern Gemeinschaft aufbauen und Beziehungen pflegen. So komme ich gut klar mit der Situation», erklärt Beda Baumgartner. Und Beat Niederberger ergänzt: «Ich fühle mich von den Menschen nicht abgeschnitten. Ich bin jetzt einfach mehr und länger im Pfarramt als sonst. Klar ist es schade, dass der intensivste Monat des Kirchenjahres im Grunde nicht stattfindet. Aber so entsteht auch Freiraum, Pendenzen abzuarbeiten.»

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