29.01.2014

Wenn die Skepsis überwiegt.


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Von Horizonte Aargau

Bisher bereiten auch Laien Eltern auf die Taufe ihrer Kinder vor und spenden das Sakrament. Aufgrund der Pastoralraumbildung will das Bistum nun die pastoralen Möglichkeiten neu ausschöpfen. Zu diesem Zweck legte es zum Oktober 2013 ein fünfseitiges Papier «Taufpastoral im Pastoralraum – Richtlinien und Arbeitshilfen» vor. Der Leitfaden stösst nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Im Interview erklärt Beat Niederberger, Gemeindeleiter in der Pfarrei Schöftland seine Vorbehalte.

Herr Niederberger, was ist Ihr Eindruck von dem Bistums-Papier?
Beat Niederberger: Ich sehe die Grundproblematik des Papiers darin, dass es den Schwerpunkt auf den Amtsträger legt. Zu Beginn wird zwar sehr breit die Wichtigkeit der Beziehungsarbeit ausgeführt. Letztlich geht es dann aber darum, dass ordentlicher Spender nur der Bischof, ein Priester oder Diakon sein kann.

Kirchenrechtlich ist das nichts Neues. Alle Spender abgesehen von Bischof, Priester oder Diakon sind sogenannte ausserordentliche Spender. Das katholische Kirchenrecht ist da eine geniale Sache. Vieles wird über den Notfall geregelt.

Und der Notfall funktioniert einfach zu gut?
Nein, die Menschen nehmen den Notfall nicht mehr als solchen wahr. Es ist für sie ein Normalzustand geworden, dass Pastoralassistenten taufen. Das Bistum Basel ist eine Künstlerin darin, das Kirchenrecht breit auszulegen. Und da ist vielleicht eine Angst in Solothurn, zu sehen, dass die bisherige breite Auslegung dazu führt, dass die Pfarreien auch gut ohne Priester funktionieren.

Ist die Betonung des Amtes das einzig problematische an dem Leitfaden?
Nein. Ich finde auch die Idee der kollektiven Vorbereitung auf die Taufe fragwürdig. Allein für eine Familie einen Tauftermin zu finden, ist organisatorisch aufwändig. Dazu kommen – folge ich dem Papier – Familienbesuche, gruppenweise Katechese und schliesslich der Taufsonntag. Und darin sind Katecheten, der Ortsseelsorger und die Amtsperson mit einbezogen. Das ist eine gewaltige Übung, wenn ich für unseren Pastoralraum von 100 bis 250 Taufen im Jahr ausgehe. Ich sehe nicht, wie wir das leisten können. Zudem schätze ich es so ein, dass die Eltern nicht bereit sein werden, diese unzähligen Termine mitzutragen.

Die Idee des Bistums ist also: ordentliche Taufspender taufen grosse Gruppen von Kindern an eigenen Taufsonntagen, nachdem die persönliche Begleitung durch die Berufsgruppen in den Pfarreien vor Ort erfolgt ist.
Ja. Und das widerspricht meiner Meinung nach der persönlichen Betreuung und individuellen Begleitung, auf die im Papier zu Beginn so grosser Wert gelegt wird. Wenn ich nachher einen Gottesdienst mit fünfzehn oder mehr Tauffamilien habe, ist dort kein Raum mehr für Individualität. Die Betonung der Wichtigkeit des Amtes heisst für mich, dass hier ein Konflikt im Rahmen der Amtstheologie auf dem Rücken der Eltern ausgetragen wird.

Das ist die organisatorische Ebene. Wie sieht es mit den inhaltlichen Aspekten aus? Mit der Vermittlung, dass die Taufe das Eintrittssakrament in die Kirche ist?
Auch da empfinde ich es so, dass das Papier vor allem über die Struktur an das Thema herantritt. Ich halte es für wichtig, dass ich den Menschen helfe ihre Lebenssituationen und Lebensübergängen zu bewältigen. Den Eltern geht es bei der Taufe nicht in erster Linie um die Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft. Die Taufe ist ein Fest, an dem die Eltern die Geburt des Kinders über den reinen Familienrahmen hinaus feiern wollen, weil sie die Geburt eines Kindes existentiell betrifft. Dort kommen die Eltern plötzlich in einen religiösen Zusammenhang, auch wenn sie vielleicht sonst distanziert sind.

Wäre es dann nicht sinnvoller, im Zweifel eine Segensfeier statt einer Taufe anzubieten, wie es das Papier vorschlägt? Und die Entscheidung über die Taufe als Eingliederung in die katholische Kirche zu einem späteren Zeitpunkt zu treffen?
Ich bin mir nicht sicher. Es ist hier ähnlich wie bei der Unterscheidung zwischen Wortgottesfeier mit Kommunionausteilung und Eucharistie. Für die meisten Gläubigen ist es unwichtig, ob es da einen Unterschied gibt. Sie haben kein Problem damit. Wenn ich nun den Taufeltern erkläre, sie sollen lieber eine Segensfeier anstatt einer Taufe durchführen lassen, werden die mich zu Recht fragen, ob ich ein Problem habe. Nochmals: wenn ich die Eltern und ihre Kinder über eine gewisse Zeit bis zur Erstkommunion hinweg gut begleiten kann tue ich das.

Können Sie dem Leitfaden auch etwas Gutes abgewinnen?
Ich kann mir vorstellen, dass es gut sein kann, verschiedene Tauffamilien im Rahmen der Begleitung zusammenzubringen. Doch ist das ebenfalls etwas, was aus der Lebensbegleitung heraus erwächst und nicht aus der Struktur heraus.

Das Papier stösst nicht nur bei Ihnen auf Skepsis, auch andere Seelsorger hinterfragen den Leitfaden. Wie nehmen Sie das wahr?
Ich habe den Eindruck, dass das Papier nicht nur von vielen Pastoralassistenten, sondern auch von den Priestern nicht ohne weiteres akzeptiert wird. Die Frage ist, wie es in der Folge umgesetzt wird. Ob Seelsorgern die Tauferlaubnis entzogen wird oder ob einfach keine neuen mehr ausgestellt werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob Priester nicht zunehmend zu Sakramentenreisenden werden.

Anne Jablonowski

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