20.10.2013

Zeichen mündigen Christseins


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Von Horizonte Aargau

Eine Geste erregt die Gemüter: Ende der 1960er Jahre wurde hierzulande in der katholischen Presse über die Einführung der Handkommunion debattiert. Heute ist die neue alte Form etabliert. Ein Beispiel gelungener liturgischer Reform. Im vierten Teil der Reihe des Liturgischen Institutes der deutschsprachigen Schweiz zum 50-jährigen Jubiläum des Konzils erschliesst Josef-Anton Willa eine neue alte Geste.

«Was soll eine Kirche, die sich angesichts der grossen Weltprobleme darum zankt, ob man die Hostie auf die Hand oder in den Mund legen darf?», schrieb ein Seelsorger in den Neuen Zürcher Nachrichten im Jahre 1969. Nach wie vor hat die Frage der Verhältnismässigkeit bei innerkirchlichen Diskussionen Berechtigung. Andererseits erleben wir auch, wie signifikant und folgenreich symbolische Gesten sein können.

Zeichen der Zuwendung Gottes
Werde ich gefragt, wie etwas in der Liturgie zu handhaben sei, antworte ich gerne: so ungezwungen, selbstverständlich achtsam und rücksichtsvoll, wie wir auch im täglichen Leben mit Menschen, anderen Lebewesen und Dingen umgehen. Wenn liturgische Zeichen auf allen Ebenen stimmen, können wir sie als Zeichen der Zuwendung Gottes erfahren. Durch die Jahrhunderte hat sich in der liturgischen Praxis vielfach eine Künstlichkeit eingeschlichen, die den Sinn des Geschehens verdunkelte. Das Zweite Vatikanische Konzil mahnt: «Die Riten mögen den Glanz edler Einfachheit an sich tragen und knapp, durchschaubar und frei von unnötigen Wiederholungen sein. Sie seien der Fassungskraft der Gläubigen angepasst und sollen im Allgemeinen nicht vieler Erklärungen bedürfen.»

Spiegel der Seele
So auch der Ritus des Kommunionausteilens. Er ist Geben und Nehmen. Hier begegnen sich Menschen, es geschieht Begegnung mit Gott. Dabei spielen die Hände eine wichtige Rolle. Mit ihnen kommunizieren wir, tauschen wir uns aus, berühren wir. Hände sind ein «Spiegel der Seele», formuliert Romano Guardini. Nach dem Antlitz seien sie der «geistigste Teil des Leibes». Wer empfangen möchte, streckt seine Hände aus, formt sie zu einer Schale. Die Geste signalisiert Bedürftigkeit; wie beim Bettler am Strassenrand. Offene Hände sind eine Einladung zur Begegnung, bringen Vertrauen und Entgegenkommen zum Ausdruck. Der Kirchenlehrer Cyrill von Jerusalem schreibt im 4. Jahrhundert, man solle bei der Kommunion mit den Händen einen Thron formen, um den König, Christus, zu empfangen. Die Praxis der Mundkommunion begann erst im 9. Jahrhundert mit dem Aufkommen der kleinen dünnen Hostienscheiben anstelle von normalem Brot. Die Angst vor Verunehrung der Eucharistie, die Abwehr von Missbräuchen und ein dinghaftes Verständnis der Gegenwart Christi in der Hostie untermauerten die Praxis. Nur des Priesters Hände galten als würdig, den Leib Christi zu berühren. Die Praxis der Mundkommunion setzte sich ohne eine explizite kirchliche Vorschrift durch. Die Liturgische Bewegung des 20. Jahrhunderts diskutierte im Zusammenhang mit der Forderung nach tätiger Teilnahme der Gläubigen vereinzelt die Rückkehr zur Handkommunion. Das Zweite Vatikanischen Konzil selbst äusserte sich nicht dazu, doch in etlichen Pfarreien begann man in den folgenden Jahren den Gläubigen, die es wünschten, die Hostie in die Hand zu geben. 1969 gestattete Rom den Bischofskonferenzen, die Handkommunion als zusätzliche Form offiziell zuzulassen.

Würde des Christenmenschen
Mund- und Handkommunion sind gleichrangig, wecken jedoch unterschiedliche Assoziationen. Während die Mundkommunion die völlige Abhängigkeit des Menschen von Gott in den Vordergrund stellt, setzt die Handkommunion einen anderen Akzent: Es hängt zwar nicht von uns ab, dass wir Christus in der Eucharistie begegnen, wie beim Bettler Bartimäus kommt es jedoch auf unseren Glauben an. Auf unsere Bereitschaft, uns berühren und heilen zu lassen. Das Konzil rief die unverlierbare Würde und die Verantwortung jedes Christenmenschen in Erinnerung. Die wiederentdeckte Praxis der Handkommunion ist dafür ein kleines, doch wichtiges Zeichen.   Josef-Anton Willa/aj

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