Der Präsident des Organisationskomitees zum 300-Jahr-Jubiläum der Kirche Peter und Paul in Frick, Rolf Hüsser. | © Roger Wehrli

Zwei Jahre durchgefeiert

Marie-Christine Andres Schürch, 12.4.18
  • Ende April 2018 wird die katholische Kirche Frick 300 Jahre alt.
  • OK-Präsident Rolf Hüsser wusste von Anfang an, dass seine Pfarrei dieses Jubiläum ausgiebig und auch ein wenig schräg feiern will.
  • Die Feierlichkeiten begannen bereits vor zwei Jahren und umfassten Vorträge, Konzerte, den Bau eines Labyrinths und eine Jubiläumspublikation.
  • Im Interview verrät Rolf Hüsser, wie man Leute für verrückte Projekte gewinnt und was er anderen Pfarreien für anstehende Jubiläumsfeiern empfiehlt.

 

Rolf Hüsser, die Feierlichkeiten zum 300-Jahr-Jubiläum der Kirche Frick haben im April 2016 begonnen. Wie konnten Sie das Organisationskomitee von der Idee überzeugen, ein Festprogramm über volle zwei Jahre auf die Beine zu stellen?
Rolf Hüsser: Als mich die Kirchenpflege anfragte, ob ich das OK-Präsidium übernehmen wolle, sagte ich mir: «Dieses Jubiläum müssen wir nützen, um das vielfältige und wertvolle Wirken der Kirche zurück ins Bewusstsein zu rufen.» Zum Glück waren die OK-Kolleginnen und –Kollegen gleicher Meinung und haben die Arbeit topmotiviert angepackt.

Die Idee, zwei ganze Jahre zu feiern, ist ein wenig verrückt, einverstanden?
Das stimmt. Aber ich finde es erfrischend, wenn Kirche nicht nur bitterernst und trocken daherkommt. Für mich darf es durchaus auch mal etwas schräg sein. Das zeigt unser Jubiläumslogo anschaulich. Der Comiczeichner Rainer Benz hat es entworfen. Es zeigt unsere Kirchenpatrone Peter und Paul, die Tränen lachen. Daneben, leicht schief, der Turm unserer Kirche. Wunderbar!

Warum gerade zwei Jahre?
Ein zeitgenössischer Bericht des Bischofs erwähnt, dass der Grundstein der Kirche St. Peter und Paul im Jahr 1716 gelegt wurde. Die Einweihung fand zwei Jahre später statt. Die gleiche Zeitspanne, welche der Kirchenbau vor 300 Jahren in Anspruch nahm, nutzte unsere Pfarrei für die Jubiläumsaktivitäten. Zwischen der ersten OK-Versammlung mit allen Pfarreigruppierungen und dem Auftaktanlass am 1. Mai 2016 blieb weniger als ein Jahr Zeit. In wenigen Monaten haben wir das gesamte Programm – bis und mit den Festivitäten Ende April 2018 – entworfen. Bis heute mussten wir daran nichts ändern, es «verhebt».

Von welchen Ideen und Visionen hatten Sie sich beim Programmentwurf leiten lassen?
Uns Organisatoren waren vier Dinge wichtig. Erstens wollten wir, in Anlehnung an den Kirchenbau vor 300 Jahren, etwas bauen. Zweitens wollten wir die Gemeinschaft und die Ökumene stärken. Drittens wünschten wir uns, etwas Bleibendes zu schaffen. Und nicht zuletzt war es uns wichtig, eine Jubiläumsschrift zu verfassen.

Mit dem Bau eines grossen Labyrinths im letzten Sommer sind viele dieser Wünsche in Erfüllung gegangen.
Ja. Das Labyrinth auf dem alten Friedhof ist in gemeinsamer Fronarbeit der Fricker Bevölkerung entstanden. Finanziert wurde es vollumfänglich aus Spenden. Für die zehn Bautage konnten wir einen Haufen Leute mobilisieren und hatten immer gutes Wetter. Dabei hatte einer unserer Kirchenpatrone, der heilige Petrus, wahrscheinlich seine Hand im Spiel (lacht). Für mich beweist das Labyrinth eindrücklich, dass es möglich ist, Leute für ein Projekt zu gewinnen, wenn man es richtig organisiert.

Gibt es dafür ein Rezept?
Verschiedene Akteure einbeziehen! Ein solches Jubiläum ist eine Chance für jedes Dorf, näher zusammen zu rücken. An unserem Programm haben alle mitgewirkt: die Musikschule, die reformierte Kirche, der Männerchor, die Jubla, die Diakoniegruppe, der Jodlerklub – um nur einige Beispiele zu nennen. Die Zusammenarbeit zwischen den Gruppierungen hat neue Verbindungen im Dorf ergeben. Auch die Zusammenarbeit mit den Reformierten hat sich nochmals verstärkt. Das gefällt mir. Ich bin einer, der gerne Querverbindungen schafft.

Was erwartet die Leserinnen und Leser der Jubiläumsschrift?
Auch die Entstehung dieses Buchs stand unter einem günstigen Stern. Für die Arbeitsgruppe habe ich vier Leute angefragt – alle vier haben auf Anhieb zugesagt. Die Schrift enthält Grundlegendes, etwa zur Bedeutung der Kirche für ein Dorf, spannende historische Fakten, aber auch aktuelle Bezüge, wie Interviews mit den jetzigen und ehemaligen Pfarrherren sowie Mandatsträgern.

Welches war Ihr persönliches Highlight der vergangenen zwei Jahre?
Ich kann keinen Einzelanlass herauspicken. Am meisten gefreut hat mich, dass wir viele verschiedene Leute mit unterschiedlichen Interessen ansprechen konnten. Ich bin sicher, wir haben zur Belebung der Pfarrei beitragen können. Aus dieser Erfahrung kann ich anderen Kirchgemeinden nur empfehlen: Bewegt euch! Macht eine Geschichte um ein Jubiläum und nutzt die Gelegenheit.

Der Höhepunkt folgt am Wochenende vom 28./29. April mit der «Rampart-Chilbi»
Am Samstagnachmittag beginnt das Fest um 14.00 Uhr mit Glockengeläute und den Turmbläsern, die von der Mauer um die Kirche das Dorf «zusammentrompeten». Es soll ein rundum fröhliches und gemütliches Fest werden. Wir haben im Lauf der letzten zwei Jahre auch ernsthafte Themen bearbeitet, aber die Chilbi ist ein Loslassen und Geniessen. Für Erwachsene und Kinder, Fricker und Auswärtige. Am Sonntag feiern wir einen Gottesdienst mit Bischof Felix Gmür. Den finalen Schlusspunkt dieses Jubiläums wird dann das Konzert des Kirchenchores am 18. November 2018 sein.

 

Die Vernissage der Jubiläumsschrift findet am Dienstag, 24. April 2018, um 19.30 Uhr im Rampartsaal in Frick statt. Auf den Tag genau vor 300 Jahren, am 24. April 1718, war die Kirche Frick eingeweiht worden.

Das Festprogramm für die Rampart-Chilbi und weitere Details finden Sie hier

 

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