01.07.2021

Sommerserie, Teil 1/3: Glaube, Macht und Wissen auf der Klosterhalbinsel Wettingen
Ab auf die Halbinsel!

Von Johanna Moser

  • Horizonte nimmt Sie in einer dreiteiligen Sommerserie mit auf Entdeckungsreise auf die Klosterhalbinsel Wettingen, die ab 2022 Teil des «Museums Aargau» wird.
  • Im Jahr 1227 gründeten Zisterziensermönche in der Limmatschlaufe bei Wettingen das Kloster «Maris Stella» (lateinisch für «Stern des Meeres»). Heute ist die Halbinsel ein Ort, an dem verschiedene Epochen und Interessen zusammenkommen.
  • Seit 45 Jahren befindet sich im ehemaligen Kloster die Kantonsschule Wettingen. Der erste Teil der Serie zeigt, wie die Kantonsschülerinnen und -schüler die Zusammenarbeit zwischen ihrer Schule und dem «Museum Aargau» mitgestalten.


Als der heutige Rektor der Kantonsschule Wettingen, Paul Zübli, im Jahr 2014 als Prorektor an die Schule kam, führte er einmal mit dem damaligen Gemeindeammann Markus Dieth ein Interview für das Jahrbuch. Er fragte ihn, ob die Idee, auf der Klosterhalbinsel Wettingen einen Standort des «Museum Aargau» einzurichten, wohl noch umgesetzt werden würde. Dieth bekräftigte dies und meinte es wäre toll, wenn das Projekt zustande kommen könnte. Zwei Jahre zuvor hatte er dem Regierungsrat vorgeschlagen, das Klosterareal ins «Museum Aargau» einzubinden. Nun wird, mehrere Jahre später, im April 2022 ein erstes Vermittlungsangebot auf der Klosterhalbinsel eröffnet.

Ausführliche Planung nötig

Die Halbinsel mit ihren diversen Nutzern und ihrer vielfältigen und teilweise historischen Infrastruktur zu einem Standort des «Museum Aargau» zu machen, erwies sich als ein Projekt, das einer ausführlichen Planung bedurfte. Kurz nach dem Interview, das Paul Zübli mit dem ehemaligen Gemeindeammann geführt hatte, entstand eine Projektgruppe, die sich der Konzeption des Projektes widmete. Diese Gruppe setzte sich aus Vertretern der am Projekt beteiligten Parteien zusammen: der Gemeinde und Kirchgemeinde Wettingen, dem jeweiligen Kantonsbaumeister, dem Leiter der Abteilung Kultur des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons sowie dem Rektor der Kantonsschule Wettingen.

Die Autorin

Die Autorin dieses Artikels, Johanna Moser, besuchte noch bis vor einem Jahr die Kantonsschule Wettingen. Zur Zeit studiert sie Germanistik und Politikwissenschaft an der Universität Basel. Während ihrer Kantizeit absolvierte Johanna Moser ein dreiwöchiges Praktikum beim Pfarrblatt Horizonte und hielt ihre Erfahrungen in einem Blog fest. Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zum Praktikums-Blog.

Parcours zu «Glaube, Macht, Wissen»

Aufgrund der Weitläufigkeit des Areals und der Vielzahl an Gebäuden und Nutzern war es notwendig, bei der Entwicklung des neuen Vermittlungsangebots Schwerpunkte zu setzen. Deshalb begann die Projektgruppe in Zusammenarbeit mit Experten darüber nachzudenken, welche Aspekte der Klosterhalbinsel man den Besuchern gerne näher bringen würde. Aus diesen Überlegungen entstand die Idee, einen Parcours rund um den Themenkreis «Glaube Macht Wissen» zu errichten.

Dieser Parcours wird aus verschiedenen Stationen bestehen und auch einen Audiowalk und Multimediainstallationen beinhalten. Stationen des Parcours werden unter anderem das Parlatorium der Kantonsschule Wettingen und das Abthaus sein. Schnell war auch klar, dass der Parcours im Gartensaal starten soll. Zu diesem Zweck wird dort eigens ein Gästezentrum eingerichtet. 

Schule macht Museum

Von Beginn des Projektes an war klar, dass es eine enge und langfristige Zusammenarbeit zwischen der Kantonsschule Wettingen und dem Museum geben sollte, die voraussichtlich auch nach der Eröffnung des Standortes weitergeführt werden wird. Sowohl der Schule als auch dem Museum war es ein grosses Anliegen, dass die Schülerschaft sich direkt in das Projekt mit einbringen kann.

Aus diesem Anlass entstand das Projekt «Schule macht Museum». In das Projekt sind neben der Schülerschaft der Kantonsschule eine Reihe von anderen Leuten involviert, zum Beispiel Theaterschaffende, Museumsplaner und Szenografinnen, aber auch die Schulleitung und eine Arbeitsgruppe aus der Lehrerschaft.

Im Gartensaal, der bisher als Musikzimmer genutzt wurde, soll das Gästezentrum für die Besucher der Klosterhalbinsel entstehen. | Foto: Marie-Christine Andres

Museumswerkstatt im Parlatorium

Im Rahmen von «Schule macht Museum» sollen sich Schule und Museum näher kennen lernen und erste Vermittlungsangebote ausarbeiten. Insbesondere eine Station des zukünftigen Parcours wird von Schülerinnen und Schülern mitgestaltet werden. Es handelt sich um das Parlatorium der Kantonsschule Wettingen, das bis vor kurzem unter anderem als Abstellplatz vom Hausdienst genutzt worden war.

Den Beginn der konkreten Zusammenarbeit zwischen der Schülerschaft und dem Museum markierte der Einzug des Teams von «Schule macht Museum» auf der Klosterhalbinsel, wo dieses im März diesen Jahres eine Museumswerkstatt einrichtete.

Philosophieren und zeichnen

Seither ist viel passiert. Eine AG aus Schülern und Schülerinnen wurde gegründet, Panels und Zeichnungen angefertigt und zahlreiche Gespräche geführt. Schon mehrere Male wurde das sogenannte «Philo Café» durchgeführt, bei dem Schüler und Lehrerschaft sowie Mitarbeitende der Schule eingeladen sind, zum Themenkomplex «Glaube Macht Wissen» zu philosophieren und sich auszutauschen. Die Philo-Cafés bieten eine Möglichkeit, potenzielle Formate für die spätere Ausstellung im Parlatorium zu entwickeln und die Gedanken der Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Station einzuflechten.

Aus dem Flämmchen soll ein Feuer werden

Doch die Projektleitung musste auch feststellen, dass es nicht leicht ist, Kontinuität in das Projekt zu bringen, da Schülerinnen und Schüler auch sonst noch viel zu tun haben und es an der Kantonsschule neben «Schule macht Museum» zahlreiche weitere Angebote gibt. Die Projektleitung achtet deshalb darauf, möglichst flexibel zu sein, in Kontakt mit den Schülern und Schülerinnen zu bleiben und neue Beteiligungsmöglichkeiten zu entwickeln. Beispielsweise wird es in der alljährlichen Vario-Woche im Herbst, bei der die Schülerschaft an diversen Programmen teilnehmen kann, auch ein Angebot von «Schule macht Museum» geben, in dessen Rahmen die zukünftige Ausstellung im Parlatorium weiterentwickelt wird.

Der Start des Projektes ist laut Projektleitung jedenfalls gelungen. Und eine der involvierten Theaterpädagoginnen meint: «Wichtig ist, dass das Flämmchen immer ein bisschen weiter brennt, damit wir auf die Eröffnung hin ein Feuer entfachen können.»

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