Drei von sechs Kirchgemeinden (im Bild Würenlos) versagten dem Projekt «Pastoralraum Aargauer Limmattal» in seiner aktuell angedachten Form die Unterstützung. Die Errichtungsfeier ist vertagt, gegebenenfalls könnte der grosse Pastoralraum sogar noch in kleinere Einheiten unterteilt werden. | © Andreas C. Müller

Marschhalt für Pastoralraum «Aargauer Limmattal»

Drei Kirchgemeinden wollen mehr Zeit

Andreas C. Müller, 16.5.17

Bei den gestrigen Abstimmungen in den sechs Kirchgemeinden des geplanten Pastoralraums «Aargauer Limmattal» haben drei Kirchgemeinden den Zusammenarbeitsvertrag zurückgewiesen. Das bedeutet eine Absage mit auffschiebender Wirkung. Das geplante Errichtungsfest am 2. Juli 2017 entfällt. Es stellt sich die Frage, wie es weiter geht.

Es wäre der grösste Pastoralraum im Aargau mit 26 000 Gläubigen: Der «PR Aargauer Limmatttal» umfasst die Kirchgemeinden Baden und Ennetbaden, Wettingen, Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach und Würenlos. Als Grundlage für die Errichtung hätten die Kirchgemeinden am gestrigen Montag, 15. Mai 2017, einen Zusammenarbeitsvertrag verabschieden sollen, der auch das pastorale Konzept für den Pastoralraum beinhaltet. Gemäss Medienmitteilung der Präsidentin der Arbeitsgruppe Kirchgemeinden, Beatrice Eglin, und der Projektleiterin, Ulrike Zimmermann, haben «die drei Kirchgemeinden Spreitenbach, Baden und Wettingen dem Zusammenarbeitsvertrag zugestimmt», während Killwangen und Neuenhof diesen abgelehnt hätten. «Die Kirchgemeinde Würenlos hat einen Rückweisungsantrag knapp angenommen.»

Es geht den Menschen zu schnell

Als Gründe für die Ablehnung machen sowohl die anwesenden Kirchgemeindemitglieder als auch Vertreter der Seelsorge und Kirchenpflege geltend, dass das Tempo des Prozesses zur Errichtung des Pastoralraums wohl viele überfordert habe. Zudem habe die Menschen die Frage nach den seelsorgerischen Anpsrechpersonen bewegt (Horizonte berichtete). In Neuenhof war zudem die Grösse des geplanten Projekts mit ein Grund für die Ablehnung.

Die Notwendigkeit eines Pastoralraums wurde an keiner der sechs Versammlungen bestritten. Entsprechend knapp fielen die Voten bei der Abstimmung aus. 14 zu 11 Stimmen (bei 26 Anwesenden) votieren in Killwangen für die Ablehnung, 29 zu 21 Stimmen (bei 59 Anwesenden) in Neuenhof. Peter Zürn aus dem Seelsorge-Team Killwangen erklärte gegenüber Horizonte: «Es war eine engagierte Diskussion. Das Ziel – der Pastoralraum – ist unumstritten, der Zeitplan erscheint einer Mehrheit jedoch zu kurzfristig.»

Rückweisung heisst nicht, dass man Pastoralraum nicht will

In Würenlos stimmten 45 zu 42 Stimmen (bei 92 Anwesenden) für die Annahme des Rückweisungsantrages. Verena Zehnder, die den Rückweisungsantrag eingebracht hatte, sieht mit der Annahlme ihres Rückweisungsantrages das Projekt nicht gefährdet – im Gegenteil. Die ehemalige Frau Gemeindeammann und Kirchenrätin betonte gegenüber Horizonte: «Die Rückweisung heisst nicht, dass man den Pastoralraum nicht will.»

Aus dem grossen könnten zwei Räume werden

Am Dienstagabend, 16. Mai 2017, trafen sich die Vertreter der Kirchenpflegen und die Projektleitung zu einer beratenden Sitzung. «Bei der Auswertung des Abstimmungsergebnisses war Bischof Felix Gmür persönlich anwesend und hat den Beschluss gefasst, dass er den Pastoralraum angsichts des Entscheids der Kirchgemeinden Neuenhof, Killwangen und Würenloss noch nicht errichten will», erklärt die Projektverantwortliche Ulrike Zimmermann gegenüber Horizonte. Auch sie sieht die aktuelle Entwicklung als Chance: «Solche zusätzlichen Schlaufen gehören zu einem Projekt dieser Grössenordnung. Es ist mir wichtig, dass wir sorgfältig das Ergebnis analysieren, sorgfältig kommunizieren und die pastoralen Schwerpunkte weiterverfolgen.»

An den ordentlichen Kirchgemeindeversammlungen im November dürfte über neue Verträge abgestimmt werden. Diese werden in den kommenden Monaten ausgehandelt. Ein wesentlicher Verhandlungsgegenstand wird auch die Grösse des Pastoralraums sein. Demnach könnte es gut sein, dass anstelle des ursprünglich geplanten Superpastoralraums mit 26 000 Gläubigen zwei kleinere Seelsorge-Einheiten errichtet werden. «Diese Option ist erst angedacht», so Ulrike Zimmermann. «Ich kann noch nicht beurteilen, wie sich diese Diskussion entwickelt. Von der Bistumsregionalverantwortlichen Gabriele Tietze hiess es zur Frage, wie es denn nun mit dem Pastoralraum «Aargauer Limmattal» weitergeht: «Ich habe den Entscheid der sechs Kirchgemeindeversammlungen vernommen; jetzt gilt es, die Situation zu analysieren und das weitere Vorgehen zu überlegen.»

 

 

 

 

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In Würenlos hatten die Kirchgängerinnen und Kirchgänger einen Antrag zuhanden der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vorbereitet, der verlangte, dem Pastoralraumprojekt die Unterstützung zu verweigern. «Die Würenloser wollen wissen, wer der Zelebrant ist. Dafür kämpfen wir seit zwei Jahren», so Kirchenpflegepräsident Alfred Koller gegenüber Horizonte. | © Roger Wehrli
Alfred Koller, Würenlos
Ulrike Zimmermann, Gemeindeleiterin von Wettingen-Würenlos und Projektverantwortliche für den Pastoralraum «Aargauer Limmattal» verspricht: ««Im zukünftigen Pastoralraum werden Koordination und Vernetzung von Personal verbessert werden.» | © Felix Wey
Ulrike Zimmermann
Verena Zehnder brachte in Würenlos den Rückweisungsantrag ein. | © Andreas C. Müller
Verena Zehnder
Der Basler Bischof Felix Gmür kam nach den Abstimmungsergebnissen persönlich ins Limmattal und entschied, die Errichtung des Pastoralraums zu verschieben. | © Werner Rolli
Bischof Felix Gmür

Kommentar

Andreas C. Müller

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Die Kirchenbasis hat die Realisierung des grössten Aargauer Pastoralraums fürs erste ausgebremst. Es ging den Menschen zu schnell, sie erachteten das Projekt als zu wenig ausgereift und sie fühlten sich in wesentlichen Anliegen und Bedürfnissen nicht ernst genommen.

Die Verantwortlichen müssen nun über die Bücher und Konsequenzen ziehen. Es kann nicht angehen, dass sich an der Veröffentlichung der Gottesdienstzelebranten ein Streit entzündet, die Kommunikation zu wünschen übrig lässt oder nur schon die Form der Einladung zu den Kirchgemeindeversammlungen zu Diskussionen führt.

Doch hat die jüngste Entwicklung auch Gutes. Viele – auch junge Gläubige – haben sich für «ihre» Kirche engagiert. Mit Besonnenheit kann der Marschhalt zu einer echten Chance werden. Diese Chance müssen die Projektverantwortlichen packen, sonst ist sämtlicher Kredit verspielt.

Die «Wutbürger« müssen ins Boot geholt, das Bedürfnis nach der «physisch vorhandenen Ansprechperson» in der Pfarrei darf nicht länger ignoriert werden. Eins lehrt das Beispiel «Aargauer Limmattal» eindrücklich: Die Menschen sind nicht gegen die Errichtung der Pastoralräume. Sie verstehen deren Notwendigkeit angesichts des zunehmenden Mangels an Seelsorgepersonal und des Rückgangs an Gläubigen. Die Kirchenmitglieder sind durchaus bereit, auf Leistungen direkt vor der Haustüre zu verzichten. Doch wenn sie sich von den Projektverantwortlichen und den Entscheidungsträgern im Bistum nicht ernst genommen fühlen, sind nicht nur die Pastoralraumprojekte zum Scheitern verurteilt, sondern es gibt weitere Enttäuschte, die sich von der Kirche abwenden.

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