11.03.2021

Kirchliches Umweltmanagement «Grüner Güggel»
Der zweite Konvoi ist gestartet

Von Marie-Christine Andres Schürch

  • Bereits 31 Kirchgemeinden in der Schweiz besitzen das vom Verein «oeku Kirche und Umwelt» vergebene Umweltzertifikat «Grüner Güggel».
  • Im Sommer 2020 wurden auch im Aargau die ersten Kirchgemeinden zertifiziert.
  • Sieben weitere Aargauer Kirchgemeinden haben sich nun auf den Weg zum «Grünen Güggel» gemacht.



Das Umweltmanagementsystem «Grüner Güggel» hilft Kirchgemeinden bei der stetigen Verbesserung ihrer Umweltleistung. Weniger heizen, mehr recyceln, einheimische Blumen säen oder nachhaltige Produkte einkaufen: Auf vielfältige Weise kann die Kirche vor Ort Ressourcen schonen und einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten. Bereits 31 Kirchgemeinden in der Schweiz besitzen das vom Verein «oeku Kirche und Umwelt» vergebene Umweltzertifikat «Grüner Güggel». 

Die vier Aargauer Pioniere 

Im Juni 2020 flatterte das umweltfreundliche Federvieh erstmals auch in den Aargau. Die beiden Pastoralräume Region Brugg-Windisch und Region Lenzburg, die katholische Pfarrei Schöftland sowie die Verwaltung der katholischen Landeskirche wurden mit dem Grünen Güggel ausgezeichnet.

Gemeinsam geht’s leichter

Das Beispiel der Aargauer Güggel-Pioniere hat weitere Kirchgemeinden inspiriert. Auf Einladung der Reformierten und der Römisch-Katholischen Landeskirchen im Aargau formierte sich der ökumenische «Konvoi II», bestehend aus den katholischen Kirchgemeinden Aarau, Entfelden, Buchs-Rohr, Suhr-Gränichen, Rheinfelden und Rohrdorf sowie der reformierten Kirchgemeinde Baden plus. Die sieben Kirchgemeinden werden in den nächsten eineinhalb Jahren die Schritte zum Zertifikat gemeinsam und unter Anleitung eines kirchlichen Umweltberaters durchlaufen. Ziel ist die Zertifizierung mit dem Grünen Güggel im Sommer 2022.

Das Label Grüner Güggel

Das Umweltmanagementsystem (UMS) Grüner Güggel hilft Kirchgemeinden bei der Verbesserung ihrer Umweltleistung. Es dient der Optimierung des Ressourcenverbrauchs, spart Betriebskosten und wirkt langfristig und motivierend über die Gemeindegrenzen hinaus.

Der Weg zum Grünen Güggel erfolgt in zehn Schritten: Eine Umweltgruppe erarbeitet in einem Umweltprogramm die wichtigsten Massnahmen, sei es beim Energiesparen, bei der Büroökologie oder bei der Umgebungsgestaltung. Schöpfungsleitlinien halten die wichtigsten Grundsätze für das umweltgerechte Gemeindeleben fest. Klare Abläufe und Verantwortlichkeiten stellen sicher, dass Umweltfragen regelmässig bearbeitet werden. Alle weiteren Infos gibt es auf der Webseite www.oeku.ch

Kompetente Begleitung

Begleitet werden die sieben Kirchgemeinden von den kirchlichen Umweltberatern Andreas Frei und Brigitta Bölsterli. Andreas Frei, reformierter Pfarrer und Umweltberater, hat bereits den ersten Aargauer Konvoi zum Umweltzertifikat begleitet. Er freut sich über das Interesse am Grünen Güggel: «Es haben sich mehr Kirchgemeinden angemeldet, als ich alleine betreuen kann.» Deshalb kümmert sich Brigitta Bölsterli als kirchliche Umweltberaterin um die beiden Pfarreien Rohrdorf und Rheinfelden. Die Umweltbeauftragte des Pastoralraums Region Lenzburg verfügt über frische Erfahrung aus dem Zertifizierungsprozess in ihrer eigenen Pfarrei.

Reformierte Zurückhaltung

Erstmals ist mit Baden auch eine reformierte Kirchgemeinde an Bord. Petra Schär betreut die Öko-Fonds-Kommission der Reformierten Landeskirche. Das verhaltene Interesse der Reformierten am Grünen Güggel erklärt sie so: «Viele reformierte Kirchgemeinden haben weder die finanziellen noch die personellen Ressourcen, den Prozess in Angriff zu nehmen.» Der kirchliche Umweltberater Andreas Frei beziffert Aufwand bis zur Zertifizierung auf 4500 bis 6000 Franken sowie acht bis zehn Sitzungen pro Jahr. Petra Schär sagt, die reformierte Landeskirche zahle aus dem Öko-Fonds einen Startbeitrag von 3000 Franken an Kirchgemeinden, die den Grünen Güggel anvisieren. Doch stärker forcieren könne die reformierte Landeskirche den Erwerb des Umweltzertifikats nicht.

«Weitere Konvois sollen folgen»

Die Römisch-Katholische Kirche im Aargau setzt sich hingegen stark für das kirchliche Umweltmanagement ein. Das Verwaltungsgebäude an der Feerstrasse in Aarau ist bereits zertifiziert und die Landeskirche bestärkt ihre Kirchgemeinden auf dem Weg zum Grünen Güggel aktiv, wie Markus Wentink von der Steuergruppe betont. Er freut sich über den Start des zweiten Konvois und sagt: «Ich hoffe und glaube, dass weitere Konvois folgen.»

Hochaktuell und spannend

Wichtig auf dem Weg zum Grünen Güggel sind motivierte Menschen in den Kirchgemeinden, welche konkrete Umweltziele setzen und zu verwirklichen suchen. Andreas Pechlaner, Präsident der Ortskirchenpflege Buchs-Rohr, freut sich auf den bevorstehenden Prozess: «Das Thema ist hochaktuell und zukunftsträchtig. Da wollen wir als Kirchgemeinde mit gutem Beispiel vorangehen», erklärt er. Die Thematik interessiere ihn auch persönlich und das Projekt schaffe spannende Verbindungen: «Es freut mich, dass ich Kontakt zu einem jungen Umweltingenieur aus unserer Kirchgemeinde herstellen konnte, der sich vorstellen kann, unser Umweltteam zu unterstützen.» 

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